Jörg Franzke
Krise erkennen

Wie lange reicht meine Liquidität wirklich?

Die ehrliche Antwort lautet: Niemand weiß es genau. Sie können berechnen, wie lange Ihre vorhandene Liquidität nach heutigem Stand ausreicht. Aber in einer Unternehmenskrise verändert sich die Realität oft schneller als jede Planung. Deshalb genügt es nicht, die Liquidität einmal pro Woche oder einmal im Monat zu überprüfen – Sie sollten sie täglich beobachten.

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Krise erkennen
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Kaum eine Frage wird mir in der Krise so oft gestellt wie diese: „Wie lange reicht unser Geld noch?“ Die Erwartung dahinter ist verständlich – Unternehmer wünschen sich eine klare Zahl, an der sie sich festhalten können.

Doch so einfach ist es nicht. Sie können ausrechnen, wie lange die vorhandene Liquidität nach heutigem Stand ausreicht. Ob diese Rechnung aber trägt, hängt davon ab, ob morgen noch alles so ist wie heute. Und genau das ist in einer Krise selten der Fall.

Das Wichtigste in 60 Sekunden
  • Sie können berechnen, wie lange Ihre Liquidität nach heutigem Stand reicht – eine Garantie ist das aber nicht.
  • Eine Liquiditätsplanung ist immer nur eine Momentaufnahme und muss laufend aktualisiert werden.
  • In der Krise verändert sich die Lage oft innerhalb weniger Tage – planen Sie deshalb bewusst konservativ.
  • Beobachten Sie Ihre Liquidität nicht monatlich oder wöchentlich, sondern täglich.

Eine Liquiditätsplanung ist immer nur eine Momentaufnahme

Viele Unternehmer möchten von mir wissen: „Wie lange reicht unser Geld noch?“ Meine Antwort lautet meistens: „Nach heutigem Stand vielleicht sechs Wochen. Aber morgen kann die Situation schon ganz anders aussehen.“

Eine Liquiditätsplanung ist keine Garantie. Sie zeigt lediglich, wie sich die Liquidität entwickelt, wenn alles wie geplant verläuft. Genau das passiert in Unternehmenskrisen aber häufig nicht.

In der Krise entsteht eine eigene Dynamik

Nach meiner Erfahrung entwickeln Unternehmenskrisen oft eine erstaunliche Eigendynamik. Plötzlich bleiben Zahlungseingänge aus, mit denen fest gerechnet wurde. Ein großer Kunde zahlt später als vereinbart. Die Bank reduziert den Kontokorrentrahmen oder verlängert ihn nicht mehr in der bisherigen Höhe. Ein wichtiger Lieferant liefert nur noch gegen Vorkasse.

Jedes einzelne Ereignis mag für sich beherrschbar sein. Mehrere dieser Ereignisse gleichzeitig können die Liquidität jedoch innerhalb weniger Tage dramatisch verschlechtern – und aus sechs Wochen Reichweite werden auf einmal wenige Tage.

Planen Sie konservativ

Viele Liquiditätspläne sind zu optimistisch. Der erwartete Zahlungseingang wird fest eingeplant, die verspätete Zahlung eines Kunden dagegen nicht. Genau daraus entstehen die gefährlichen Lücken, die niemand kommen sah.

Ich empfehle deshalb immer eine vorsichtige Planung. Rechnen Sie lieber mit späteren Zahlungseingängen und früheren Auszahlungen. Eine zu pessimistische Planung ist in der Krise meist hilfreicher als eine zu optimistische – denn sie schützt Sie vor bösen Überraschungen.

Schauen Sie jeden Tag auf Ihre Liquidität

Die wichtigste Aufgabe eines Geschäftsführers in einer Unternehmenskrise besteht darin, den Überblick über die Liquidität zu behalten. Nicht einmal im Monat. Nicht einmal in der Woche. Sondern jeden Tag.

Nur so erkennen Sie rechtzeitig, wenn sich die Situation verschlechtert und Sie handeln müssen. Wer erst am Monatsende merkt, dass das Geld nicht reicht, hat wertvolle Zeit verloren – und häufig auch die besten Handlungsoptionen.

Häufige Fehler

Sich auf eine einmalige Liquiditätsplanung verlassen. Eine Liquiditätsplanung muss laufend aktualisiert werden – sonst zeigt sie schon nach wenigen Tagen ein falsches Bild.

Mit sicheren Zahlungseingängen rechnen. Berücksichtigen Sie nur Geld, das tatsächlich verfügbar ist, nicht das, was hoffentlich noch kommt.

Zu spät auf Veränderungen reagieren. In einer Krise können wenige Tage den entscheidenden Unterschied machen.

Häufige Fragen

Kann ich berechnen, wie lange meine Liquidität reicht?
Ja. Sie können auf Grundlage Ihrer heutigen Liquidität und der bekannten Ein- und Auszahlungen eine Planung erstellen. Diese muss jedoch laufend angepasst werden, weil sie immer nur eine Momentaufnahme ist.
Warum verändert sich die Liquidität in einer Krise so schnell?
Weil sich Zahlungseingänge verzögern, Banken vorsichtiger werden oder Lieferanten ihre Zahlungsbedingungen ändern können. Dadurch kann sich die Liquiditätslage innerhalb weniger Tage erheblich verschlechtern.
Wie oft sollte ich meine Liquidität überprüfen?
Nach meiner Erfahrung täglich. Nur so behalten Sie in einer Unternehmenskrise die Kontrolle und erkennen rechtzeitig, wenn Sie handeln müssen.
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Über den Autor

Jörg Franzke

Jörg Franzke ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Restrukturierung, Eigenverwaltung, Insolvenzpläne und StaRUG-Verfahren.

Seit über 30 Jahren begleitet er Unternehmer in Krisensituationen und hat mehr als 250 Unternehmenssanierungen begleitet.

Persönliche Beratung. Keine Delegation. Keine Standardlösungen.

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