350 Beschäftigte. Acht Monate. Erfolgreich saniert.
Sanierung eines bundesweit tätigen Personaldienstleisters in der Arbeitnehmerüberlassung — über die Eigenverwaltung mit Insolvenzplan.
Verlauf des Verfahrens
- 2024Liquiditätskrise
- Februar 2025Eigenverwaltung beantragt
- April 2025Sanierungsmaßnahmen umgesetzt
- September 2025Insolvenzplan einstimmig angenommen
- Oktober 2025Verfahren abgeschlossen
Ausgangslage
Ein bundesweit tätiger Personaldienstleister mit rund 350 Beschäftigten hatte sich auf die Überlassung von Arbeitskräften im Bereich Lager und Logistik spezialisiert. Zu den Kunden gehörten insbesondere Unternehmen aus dem E-Commerce-Sektor.
Das Geschäftsmodell war grundsätzlich tragfähig. Die Krise entstand nicht durch fehlende Aufträge, sondern durch eine gefährliche Kombination aus finanziellen und organisatorischen Belastungen.
Besonders problematisch war die starke Abhängigkeit von einem Großkunden. Aufgrund dieser Konzentration hielt der Factoring-Partner erhebliche Teile der laufenden Umsätze zurück, um sein eigenes Risiko zu begrenzen. Für das Unternehmen führte dies zu einem akuten Liquiditätsengpass.
Hinzu kamen Schwächen im Forderungsmanagement und Controlling. Offene Posten wurden nicht konsequent überwacht, einzelne Kundenbeziehungen erwiesen sich als wenig rentabel und die Umsatzentwicklung blieb hinter den Erwartungen zurück.
Zusätzliche Belastungen entstanden durch Fehlentscheidungen im operativen Management. Mehrere Führungskräfte mussten das Unternehmen verlassen. Die damit verbundenen arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen verursachten weitere Kosten und banden wertvolle Managementkapazitäten.
Trotz eines funktionierenden Geschäftsmodells drohte schließlich die Zahlungsunfähigkeit.
Herausforderung
Die größte Herausforderung bestand darin, das Vertrauen der Auftraggeber zu sichern.
In der Arbeitnehmerüberlassung reagieren Kunden auf Insolvenzen besonders sensibel. Der Grund liegt in der sogenannten Subsidiärhaftung. Viele Auftraggeber befürchten, für Sozialversicherungsbeiträge oder Lohnsteuer des Personaldienstleisters in Anspruch genommen zu werden. Aus Sorge vor diesem Risiko werden bestehende Aufträge häufig vorsorglich beendet.
Für viele Personaldienstleister beginnt genau an diesem Punkt die eigentliche Krise. Ohne laufende Aufträge gibt es keine Umsätze. Ohne Umsätze scheitert jede Sanierung.
Deshalb musste bereits zu Beginn des Verfahrens sichergestellt werden, dass die Auftraggeber Vertrauen in die Fortführung des Unternehmens behalten. Gleichzeitig galt es, die Kostenstruktur an die tatsächliche Ertragskraft anzupassen und die Liquidität nachhaltig zu stabilisieren.
Lösung
Im Rahmen der Eigenverwaltung wurde ein umfassendes Sanierungskonzept umgesetzt.
Bereits zu Beginn des Verfahrens wurde ein gerichtlicher Beschluss erwirkt, der den Auftraggebern Rechtssicherheit hinsichtlich möglicher Haftungsrisiken verschaffte. Diese frühzeitige Maßnahme erwies sich als entscheidender Erfolgsfaktor. Die Kunden blieben dem Unternehmen treu und die bestehenden Aufträge konnten ohne Unterbrechung fortgeführt werden.
Parallel dazu wurde die interne Struktur konsequent verschlankt. Insgesamt wurden 18 interne Stellen abgebaut. Dadurch konnten die Fixkosten nachhaltig reduziert und die Rentabilität verbessert werden.
Darüber hinaus wurden sämtliche Kundenverträge auf ihre Wirtschaftlichkeit überprüft. Verträge mit unzureichenden Margen wurden angepasst oder beendet. Das Unternehmen konzentrierte sich künftig auf profitable Geschäftsbeziehungen.
Eine weitere strategische Entscheidung war die Beendigung des Factoring-Vertrags. Damit löste sich das Unternehmen von einem Finanzierungspartner, der erhebliche Teile der Umsätze zurückhielt. Forderungen werden heute wieder in eigener Verantwortung verwaltet.
Zusätzlich wurden Standorte konsolidiert, Fahrzeugkosten reduziert und interne Kontrollmechanismen deutlich verbessert.
Ergebnis
Das Eigenverwaltungsverfahren konnte innerhalb von nur acht Monaten erfolgreich abgeschlossen werden.
Die Gläubiger meldeten Forderungen von rund 13 Mio. € zur Insolvenztabelle an. Der Insolvenzplan wurde von sämtlichen Gläubigern einstimmig angenommen.
Der Geschäftsbetrieb wurde während des gesamten Verfahrens ohne Unterbrechung fortgeführt. Sämtliche wesentlichen Auftraggeber blieben dem Unternehmen erhalten.
Heute verfügt das Unternehmen über eine deutlich schlankere Kostenstruktur, ein verbessertes Controlling und ausreichende Liquiditätsreserven, um auch lange Zahlungsziele von bis zu 60 Tagen aus eigener Kraft zu finanzieren.
Aus einem Unternehmen, das durch Liquiditätsprobleme und organisatorische Schwächen in die Krise geraten war, entstand ein profitabler und deutlich widerstandsfähigerer Personaldienstleister.
Der Fall zeigt exemplarisch, dass erfolgreiche Restrukturierungen nicht allein von rechtlichen Instrumenten abhängen. Entscheidend ist, Vertrauen zu schaffen – bei Kunden, Mitarbeitern und Geschäftspartnern.
Was diesen Fall besonders gemacht hat
Die eigentliche Herausforderung war nicht die Entschuldung.
Entscheidend war, das Vertrauen der Auftraggeber zu sichern.
Viele Personaldienstleister verlieren nach Insolvenzantragstellung ihre Kunden. In diesem Verfahren gelang es, sämtliche wesentlichen Auftraggeber zu halten. Dadurch konnte das Unternehmen ohne Umsatzverlust saniert werden.
Faktenbox
- Verfahren
- Eigenverwaltung mit Insolvenzplan
- Branche
- Personaldienstleistung / Arbeitnehmerüberlassung
- Beschäftigte
- ca. 350
- Dauer
- 8 Monate
- Gläubigerforderungen
- ca. 13 Mio. €
- Besonderheit
- Auftraggeber während des gesamten Verfahrens gehalten
- Sanierungsmaßnahmen
- Restrukturierung der Kostenstruktur und Beendigung des Factorings
- Ergebnis
- Fortführung und nachhaltige Sanierung des Unternehmens
Nicht jede Krise erfordert eine Insolvenz.
Oft bestehen mehr Handlungsmöglichkeiten, als Unternehmer zunächst vermuten. In einem vertraulichen Gespräch analysieren wir Ihre Situation und zeigen auf, welche Sanierungsinstrumente realistisch zur Verfügung stehen.
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