Jörg Franzke
Krise erkennen

Welche Kennzahlen muss ich jetzt täglich beobachten?

In einer Unternehmenskrise gibt es eine Kennzahl, die alle anderen überragt: die Liquidität. Natürlich gibt es viele betriebswirtschaftliche Zahlen – aber keine entscheidet so unmittelbar über die Zukunft Ihres Unternehmens wie die Frage, ob das vorhandene Geld für die fälligen Rechnungen reicht.

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Krise erkennen
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6 Min.
Merksatz
In der Krise regiert die Liquidität

In gesunden Zeiten schaut ein Geschäftsführer zu Recht auf Umsatz, Gewinn, Eigenkapitalquote und Auftragsbestand. In der Krise ändern sich jedoch die Prioritäten – und zwar grundlegend. Dann entscheidet nicht mehr der Gewinn über das Überleben, sondern allein die Liquidität.

Die gute Nachricht: Sie müssen dafür kein kompliziertes Controlling aufbauen. Im Gegenteil. Wer in der Krise die richtigen wenigen Zahlen im Blick behält, trifft bessere Entscheidungen als jemand, der sich in zwanzig Kennzahlen verliert.

Das Wichtigste in 60 Sekunden
  • In der Krise ist die Liquidität die wichtigste Kennzahl überhaupt.
  • Nicht der Gewinn entscheidet über das Überleben, sondern die Frage, ob die fälligen Rechnungen bezahlt werden können.
  • Konzentrieren Sie sich auf drei Fragen: Bankguthaben, freie Kreditlinie und heute fällige Zahlungen.
  • Ein Unternehmen scheitert selten an einer schlechten Auswertung – sondern daran, dass die Liquidität ausgeht.

Viele Unternehmer beobachten die falschen Zahlen

In gesunden Unternehmen beschäftigen sich Geschäftsführer mit Umsatz, Gewinn, Eigenkapitalquote, Deckungsbeiträgen, Auftragsbestand oder Marktanteilen. Das ist auch richtig – diese Zahlen zeigen, wie erfolgreich ein Unternehmen wirtschaftet.

In einer Krise verschieben sich die Prioritäten jedoch. Dann entscheidet nicht mehr der Gewinn über das Überleben, sondern die Liquidität. Denn ein Unternehmen kann monatelang Gewinne ausweisen und trotzdem in eine Zahlungsunfähigkeit rutschen, wenn das Geld zum falschen Zeitpunkt fehlt.

Die wichtigste Frage lautet jeden Morgen gleich

Ich beginne praktisch jedes Sanierungsverfahren mit derselben Frage: Wie viel Geld steht heute tatsächlich zur Verfügung? Erst danach interessiert mich, welche Zahlungen heute fällig werden, welche Zahlungseingänge tatsächlich eingegangen sind und wie sich die Liquidität in den nächsten Wochen entwickelt.

Genau daraus entsteht ein realistisches Bild der Lage. Nicht aus dem Jahresabschluss, nicht aus der Umsatzstatistik – sondern aus dem täglichen Abgleich von verfügbarem Geld und fälligen Verbindlichkeiten.

Beobachten Sie nicht zehn Kennzahlen, sondern drei

Viele Geschäftsführer glauben, sie müssten in der Krise ein kompliziertes Controlling aufbauen. Das Gegenteil ist richtig. Ich empfehle meinen Mandanten, sich zunächst auf drei einfache Fragen zu konzentrieren: Wie hoch ist mein aktuelles Bankguthaben? Wie viel Kreditlinie steht noch zur Verfügung? Welche Zahlungen werden heute und in den nächsten Tagen fällig?

Mehr brauchen Sie häufig gar nicht, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wer diese drei Zahlen täglich kennt, weiß jederzeit, wie viel Spielraum tatsächlich vorhanden ist – und wann es eng werden könnte.

Alles andere ist in der Krise zweitrangig

Natürlich bleiben Umsatz, Gewinn und Bilanz wichtig. Aber sie helfen Ihnen wenig, wenn am Monatsende die Löhne nicht mehr bezahlt werden können. Deshalb steht die Liquidität in jeder Sanierung an erster Stelle – vor allen anderen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen.

Ein Unternehmen scheitert selten an einer schlechten Excel-Auswertung. Es scheitert daran, dass die Liquidität ausgeht. Wer das verinnerlicht, richtet seine tägliche Steuerung genau auf die Zahl aus, die wirklich über die Zukunft entscheidet.

Häufige Fehler

Den Umsatz mit der Liquidität verwechseln. Hohe Umsätze bedeuten nicht automatisch, dass genügend Geld auf dem Konto vorhanden ist – entscheidend ist, wann das Geld tatsächlich fließt.

Auf den Jahresabschluss schauen. In einer Krise entscheidet nicht die Bilanz des letzten Jahres, sondern die Liquidität von heute.

Zu viele Kennzahlen gleichzeitig beobachten. Wer zwanzig Kennzahlen verfolgt, verliert häufig die wichtigste aus den Augen.

Häufige Fragen

Muss ich in der Krise noch alle betriebswirtschaftlichen Kennzahlen beobachten?
Nein. Natürlich bleiben sie wichtig. Die tägliche Steuerung des Unternehmens erfolgt in einer Krise jedoch in erster Linie über die Liquidität.
Reicht eine monatliche Liquiditätsplanung aus?
Nach meiner Erfahrung nicht. In einer Krise sollte die Liquidität täglich überprüft und fortgeschrieben werden, damit Sie Engpässe rechtzeitig erkennen.
Benötige ich dafür eine spezielle Software?
Nein. Für die meisten Unternehmen reichen zwei gut gepflegte Excel-Tabellen völlig aus – eine für den aktuellen Liquiditätsstatus und eine für die Vorschau der nächsten Wochen.
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Über den Autor

Jörg Franzke

Jörg Franzke ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Restrukturierung, Eigenverwaltung, Insolvenzpläne und StaRUG-Verfahren.

Seit über 30 Jahren begleitet er Unternehmer in Krisensituationen und hat mehr als 250 Unternehmenssanierungen begleitet.

Persönliche Beratung. Keine Delegation. Keine Standardlösungen.

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