In einer Eigenverwaltung entscheidet die Kommunikation oft mehr über den Erfolg als die reinen Zahlen. Kunden, Auftraggeber, Lieferanten und Gläubiger beobachten sehr genau, wie der Geschäftsführer auftritt – und schließen daraus, ob sie dem Unternehmen weiter vertrauen können.
Als Restrukturierungsanwalt lege ich deshalb von Anfang an großen Wert auf eine abgestimmte Kommunikation. Nicht möglichst viel reden, sondern das Richtige, ruhig und einheitlich – das ist der Kern professioneller Kommunikation in der Krise.
- Kommunizieren Sie nie planlos, sondern nach einer mit dem Berater abgestimmten Strategie. Die gemeinsame Presseerklärung sorgt dafür, dass das ganze Unternehmen einheitlich dasselbe sagt.
- Treten Sie ruhig und selbstsicher auf und behalten Sie eigene Zweifel für sich. Ihre Gelassenheit überträgt sich auf Kunden und Auftraggeber – vermitteln Sie, dass die Eigenverwaltung ein geordnetes, normales Verfahren ist.
- Sprechen Sie wichtige Kunden von sich aus und zu Beginn an. Presseanfragen wimmeln Sie nicht ab, sondern leiten sie an Ihren Berater weiter, damit nichts Falsches geschrieben wird.
- Gläubiger müssen Sie nicht alle proaktiv informieren. Aber auf eine Rechnung, die Sie nicht zahlen dürfen, antworten Sie mit einem Musterschreiben samt Gerichtsbeschluss und Presseerklärung – das schützt auch Ihre Buchhaltung.
Erst die Strategie, dann das Telefon
Professionell kommunizieren Sie, indem Sie sich vorher eine Strategie überlegen und nicht wild drauflos telefonieren. Stimmen Sie mit Ihrem Berater ab, was Sie wem gegenüber sagen und auf welchem Weg. Wer ohne Plan zum Hörer greift, erzählt jedem etwas anderes – und genau daraus entstehen Gerüchte.
Die Presseerklärung, die Sie ohnehin vorbereiten, ist dabei ein zentrales Werkzeug: Sie hilft dem gesamten Unternehmen, einheitlich denselben Inhalt zu kommunizieren. Jeder – vom Vertrieb bis zur Buchhaltung – hat damit dieselbe verlässliche Sprachregelung an der Hand.
Ruhig und selbstsicher auftreten
Ihre eigenen Sorgen, ob das Verfahren gelingt, gehören nicht nach außen. Solche Unsicherheiten dürfen Sie Ihren Stakeholdern nicht vermitteln. Kommunizieren Sie stattdessen ruhig und selbstsicher und machen Sie deutlich: Eine Insolvenz in Eigenverwaltung ist ein geordnetes, häufiges Sanierungsverfahren – nichts, wovor man in Panik geraten müsste.
Diese Haltung wirkt ansteckend. Ihre Ruhe überträgt sich auf Kunden und Auftraggeber und nimmt ihnen die Angst, die sie mit dem Wort „Insolvenz" oft verbinden. Wer selbst souverän bleibt, gibt seinem Gegenüber das Gefühl, dass die Lage unter Kontrolle ist.
Wichtige Kunden persönlich, Presse über den Berater
Kommunizieren Sie das Schutzschirm- oder Eigenverwaltungsverfahren gleich zu Beginn und aus eigener Initiative. Warten Sie nicht, bis Kunden über Umwege davon erfahren. Wichtige Kunden und Auftraggeber erwarten, dass der Chef persönlich vorspricht – dieses Signal der Wertschätzung ist durch nichts zu ersetzen.
Bei größeren Unternehmen wird sich früher oder später eine Zeitung melden. Solche Anfragen können Sie nicht einfach abwimmeln, denn sonst schreibt der Journalist das, was er sich selbst zusammenreimt. Leiten Sie den Kontakt stattdessen an Ihren Berater weiter, der die Anfrage professionell und im richtigen Ton beantwortet.
Gläubiger: das Musterschreiben schützt Ihre Buchhaltung
Auch gegenüber Gläubigern kommunizieren Sie professionell. Sie müssen nicht von sich aus jeden einzelnen Gläubiger über das Verfahren informieren. Aber wenn eine Rechnung kommt, die Sie nicht bezahlen dürfen oder wollen, senden Sie ein kurzes Anschreiben mit einem Mustertext und legen den Gerichtsbeschluss über die Anordnung der Eigenverwaltung sowie die Presseerklärung bei.
Das werden Ihnen die Gläubiger danken – und Sie brauchen sie später ohnehin wieder, nämlich für ihre Zustimmung zum Insolvenzplan. Ein sachliches, respektvolles Anschreiben ist damit auch eine Investition in die spätere Sanierung.
Ein oft unterschätzter Nebeneffekt: Das vorbereitete Musterschreiben entlastet Ihre Buchhaltung. Dort rufen die Gläubiger an, und dort landet der Frust. Lässt man die Mitarbeiter damit allein, verlieren sie irgendwann die Geduld – manche denken sich „das ist nicht mein Job, ständig schlechte Nachrichten zu überbringen" und kündigen im schlimmsten Fall. Ein klarer Standardprozess nimmt ihnen diese Last ab.
Häufige Fehler
Ohne Strategie drauflos kommunizieren. Wer ungeplant telefoniert und jedem etwas anderes erzählt, produziert Gerüchte. Stimmen Sie Inhalte und Wege vorher mit dem Berater ab.
Eigene Zweifel nach außen tragen. Wenn der Chef unsicher wirkt, werden es auch Kunden und Auftraggeber. Ruhe und Selbstsicherheit sind hier keine Show, sondern ein Führungsinstrument.
Presseanfragen abwimmeln oder ignorieren. Dann schreibt der Journalist ohne Ihre Sicht. Geben Sie den Kontakt an Ihren Berater, statt das Gespräch zu verweigern.
Die Buchhaltung mit den Gläubigeranrufen allein lassen. Ohne Musterschreiben und klare Linie brennen die Mitarbeiter aus. Ein vorbereiteter Standardprozess schützt Ihr Team.
Häufige Fragen
- Muss ich alle Kunden und Gläubiger von mir aus informieren?
- Nein. Wichtige Kunden und Auftraggeber sollten Sie aktiv und persönlich ansprechen. Ihre Gläubiger müssen Sie dagegen nicht alle proaktiv informieren – hier genügt es, auf eingehende Rechnungen mit einem sachlichen Musterschreiben zu reagieren.
- Wie gehe ich mit einer Presseanfrage um?
- Wimmeln Sie sie nicht ab, denn sonst schreibt der Journalist ohne Ihre Sicht. Leiten Sie den Kontakt an Ihren Berater weiter, der die Anfrage professionell und abgestimmt beantwortet. So behalten Sie die Kontrolle über die Außendarstellung.
- Was gehört in das Musterschreiben an Gläubiger?
- Ein kurzer, sachlicher Text, der Gerichtsbeschluss über die Anordnung der Eigenverwaltung und die Presseerklärung. Das erklärt dem Gläubiger die Lage, wirkt seriös und hilft Ihnen später bei der Zustimmung zum Insolvenzplan.
- Warum ist die Kommunikation für die Buchhaltung so wichtig?
- Weil dort die Gläubigeranrufe auflaufen. Ohne klare Linie und Musterschreiben tragen die Mitarbeiter den ganzen Frust allein – das zermürbt und kann im schlimmsten Fall zu Kündigungen führen. Ein vorbereiteter Standardprozess schützt Ihr Team.
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Jörg Franzke ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Restrukturierung, Eigenverwaltung, Insolvenzpläne und StaRUG-Verfahren.
Seit über 30 Jahren begleitet er Unternehmer in Krisensituationen und hat mehr als 250 Unternehmenssanierungen begleitet.
Persönliche Beratung. Keine Delegation. Keine Standardlösungen.