Jörg Franzke
Lieferanten

Wie führe ich schwierige Gespräche?

Schwierige Gespräche führen Sie am besten, indem Sie selbstbewusst bleiben. Eine Insolvenz ist kein Grund zur Scham, sondern ein unternehmerisches Ereignis – und Sie haben jedes Recht, jetzt aktiv Hilfe einzufordern.

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Rubrik
Lieferanten
Lesezeit
6 Min.
Merksatz
Selbstbewusst statt beschämt

Viele Unternehmer fürchten in der Krise vor allem eines: die Gespräche mit Lieferanten, Banken, Mitarbeitern und dem eigenen Umfeld. Die Angst ist selten die Sache selbst – es ist die Scham, über die eigene Notlage sprechen zu müssen.

Dabei entscheidet die innere Haltung über den Verlauf dieser Gespräche. Wer selbstbewusst bleibt und Hilfe einfordert, statt sich zu verstecken, wird ganz anders wahrgenommen – und kommt in aller Regel deutlich weiter.

Das Wichtigste in 60 Sekunden
  • Schwierige Gespräche gelingen, wenn Sie selbstbewusst bleiben. Sie sind Unternehmer – und dass ein Unternehmen in Schwierigkeiten gerät, gehört zum unternehmerischen Risiko.
  • Schämen Sie sich nicht. Statt sich zu verstecken, sollten Sie aktiv Hilfe und Unterstützung einfordern – so wie einem Verkehrsunfallopfer selbstverständlich geholfen wird.
  • Ihr Unternehmen hat bei einem „Geldunfall“ dasselbe Recht auf schnelle Hilfe. Fordern Sie diese Hilfe ein, ohne sich klein zu machen.
  • Manche werden versuchen, die Situation auszunutzen und Sie moralisch unter Druck zu setzen. Bleiben Sie standhaft – eine Insolvenz kommt in den besten Familien vor.
  • Es ist ein Mythos, dass sich eine Insolvenz allein durch gute Geschäftsführung immer vermeiden lässt. Mut und Risiko gehören zum Unternehmertum – und davon lebt die Gesellschaft.

Sie sind Unternehmer – und das bleiben Sie

Sie sind Unternehmer. Und als Unternehmer passiert es nun einmal, dass ein Unternehmen in Schwierigkeiten gerät oder sogar insolvent wird. Das gehört zum unternehmerischen Risiko dazu – dafür muss sich niemand schämen.

Genau diese Haltung sollten Sie in jedes schwierige Gespräch mitnehmen. Sie treten nicht als Bittsteller auf, der etwas falsch gemacht hat, sondern als Unternehmer, der eine schwierige Phase professionell und verantwortungsvoll angeht. Dieser Unterschied ist Ihrem Gegenüber sofort anzumerken.

Der „Geldunfall“ – fordern Sie Hilfe ein

Anstatt sich zu schämen und alles peinlich zu finden, sollten Sie aktiv Hilfe einfordern. Ich vergleiche das gern mit einem Verkehrsunfall: Wenn jemand verunglückt, ist es selbstverständlich, dass dieser Person sofort geholfen wird. Niemand käme auf die Idee, sie dafür zu verurteilen.

Genau dieses Recht steht meines Erachtens auch Ihnen und Ihrem Unternehmen zu, wenn es einen „Geldunfall“ erlitten hat. Fordern Sie Hilfe und Unterstützung aktiv ein und bleiben Sie dabei selbstbewusst. Wer früh und offen um Unterstützung bittet, findet sie in aller Regel auch.

Standhaft bleiben, wenn andere Druck machen

Natürlich wird es Menschen geben, die die Situation auszunutzen versuchen und Sie moralisch unter Druck setzen wollen. Bleiben Sie hier standhaft und lassen Sie sich nicht in die Rolle des Schuldigen drängen.

Eine Insolvenz kann jedem passieren und kommt in den besten Familien vor. Es ist ein Mythos, dass man eine Insolvenz allein durch gute und aufmerksame Geschäftsführung immer vermeiden könnte – Märkte, Konjunktur, Großkunden oder Lieferketten liegen oft außerhalb Ihres Einflusses.

Auch das Sprichwort „Ich gehöre zum alten Schlag, ich bezahle meine Schulden immer“ ist weltfremd. Dass jemand bisher keine Krise erlebt hat, bedeutet oft nur, dass er Glück hatte und in einer guten Konjunkturphase gewirtschaftet hat – nicht, dass er alles besser im Griff hätte.

Die Gesellschaft lebt von mutigen Unternehmern

Vergessen Sie bei alledem nicht: Die Gesellschaft lebt von Menschen wie Ihnen – von mutigen Unternehmern, die etwas riskieren, Arbeitsplätze schaffen und über Jahre erhebliche Steuern und Abgaben gezahlt haben.

Genau deshalb dürfen Sie jetzt aktiv Hilfe einfordern, ohne sich zu schämen. Sie haben mit Ihrem Risiko und Ihrer Leistung über Jahre etwas zurückgegeben. In der Krise ist es Ihr gutes Recht, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen – und der beste Weg, Ihr Unternehmen und Ihre Mitarbeiter zu schützen.

Häufige Fehler

Aus Scham den Kontakt meiden. Wer schwierige Gespräche hinauszögert oder gar nicht führt, überlässt anderen die Deutungshoheit. Offenheit zum richtigen Zeitpunkt ist fast immer die bessere Strategie.

Sich in die Rolle des Schuldigen drängen lassen. Wer verunsichert und beschämt auftritt, lädt genau die Menschen zum Druckaufbau ein, die die Situation ausnutzen wollen. Selbstbewusstes Auftreten schützt Sie.

Zu spät um Hilfe bitten. Viele Unternehmer holen sich erst Unterstützung, wenn kaum noch Handlungsspielraum bleibt. Je früher Sie Hilfe einfordern, desto mehr Optionen haben Sie – und desto souveräner können Sie die Gespräche führen.

Häufige Fragen

Muss ich mich für die Insolvenz schämen?
Nein. Eine Insolvenz kann jedem passieren und gehört zum unternehmerischen Risiko. Sie ist kein persönliches Versagen, sondern ein Ereignis – vergleichbar mit einem Unfall. Genau wie bei einem Unfall haben Sie das Recht, Hilfe einzufordern.
Wie trete ich in schwierigen Gesprächen auf?
Selbstbewusst und offen. Treten Sie nicht als Bittsteller auf, sondern als Unternehmer, der eine schwierige Phase professionell angeht. Fordern Sie Unterstützung aktiv ein und lassen Sie sich nicht in die Rolle des Schuldigen drängen.
Was mache ich, wenn jemand moralischen Druck aufbaut?
Bleiben Sie standhaft. Manche versuchen, die Situation auszunutzen. Machen Sie sich klar: Eine Insolvenz kommt in den besten Familien vor, und niemand hat das Recht, Sie moralisch abzuurteilen. Holen Sie sich zur Not professionelle Begleitung an Ihre Seite.
Ist es nicht ein Zeichen von Schwäche, Hilfe einzufordern?
Im Gegenteil. Hilfe einzufordern ist ein Zeichen von Stärke und Verantwortung. Sie haben über Jahre Risiko getragen, Arbeitsplätze geschaffen und Steuern gezahlt. Jetzt ist es Ihr gutes Recht – und Ihre Pflicht gegenüber dem Unternehmen – professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
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Über den Autor

Jörg Franzke

Jörg Franzke ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Restrukturierung, Eigenverwaltung, Insolvenzpläne und StaRUG-Verfahren.

Seit über 30 Jahren begleitet er Unternehmer in Krisensituationen und hat mehr als 250 Unternehmenssanierungen begleitet.

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