Jörg Franzke
Der Unternehmer persönlich

Wie gehe ich mit Existenzangst um?

Wer über Jahre oder Jahrzehnte ein Unternehmen aufgebaut hat, erlebt eine drohende Insolvenz häufig als persönlichen Zusammenbruch. Diese Angst ist völlig normal. Entscheidend ist, dass sie nicht Ihre Entscheidungen bestimmt – denn gute Entscheidungen entstehen selten aus Angst, sondern aus Klarheit.

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Rubrik
Der Unternehmer persönlich
Lesezeit
6 Min.
Merksatz
Gute Entscheidungen entstehen aus Klarheit, nicht aus Angst

Existenzangst gehört leider zu fast jeder Unternehmenskrise. Wer sein Lebenswerk bedroht sieht, empfindet das oft als weit mehr als ein wirtschaftliches Problem – es fühlt sich an wie ein persönliches Scheitern.

Diese Angst ist normal und kein Zeichen von Schwäche. Wichtig ist nur, dass sie nicht das Steuer übernimmt. Denn aus Angst heraus werden selten gute Entscheidungen getroffen.

Das Wichtigste in 60 Sekunden
  • Existenzangst gehört zu fast jeder Unternehmenskrise und ist eine völlig normale Reaktion.
  • Gefährlich wird sie, wenn sie zu Aufschieben, Aktionismus oder Rückzug führt.
  • Handlungsspielraum, finanzielle Reserven und ein klarer Sanierungsplan verringern die Angst spürbar.
  • Vermögensverschiebungen oder größere finanzielle Entscheidungen sollten Sie in der Krise niemals ohne vorherige Beratung treffen.

Existenzangst verändert Menschen

Nach meiner Erfahrung verändert eine Unternehmenskrise fast jeden Unternehmer. Viele schlafen schlecht, sind gereizt und verlieren ihre gewohnte Zuversicht.

Diese Belastung endet nicht am Werkstor. Häufig tragen Unternehmer sie mit nach Hause, sodass die gesamte Familie unter dem Druck leidet – manchmal zerbrechen daran sogar langjährige Beziehungen. Gerade deshalb sollten Sie diese Belastung ernst nehmen und nicht als Nebensache abtun.

Angst führt häufig zu schlechten Entscheidungen

Existenzangst verleitet viele Unternehmer dazu, wichtige Entscheidungen aufzuschieben, hektisch und überstürzt zu handeln oder sich völlig zurückzuziehen und den Kopf in den Sand zu stecken.

Keine dieser Reaktionen hilft Ihrem Unternehmen weiter. Je größer die Angst wird, desto wichtiger ist deshalb eine klare, nüchterne Strategie, an der Sie sich festhalten können.

Finanzielle Reserven schaffen Sicherheit

Nach meiner Erfahrung hilft gegen Existenzangst vor allem eines: Handlungsspielraum. Wenn Sie noch über finanzielle Reserven verfügen, verschafft Ihnen das Ruhe.

Sie wissen dann, dass Sie Ihre Familie notfalls noch einige Monate versorgen können. Diese Sicherheit verändert die gesamte Situation: Sie treffen bessere Entscheidungen, weil Sie nicht jeden einzelnen Tag ums wirtschaftliche Überleben kämpfen müssen.

Denken Sie auch an Ihre Familie

Eine Unternehmenskrise betrifft selten nur den Unternehmer allein. Sie betrifft häufig den Ehepartner und die gesamte Familie.

Sprechen Sie deshalb offen über die Situation. Überlegen Sie gemeinsam, welche Ausgaben wirklich notwendig sind und wie die Familie diese Zeit überbrücken kann. Je besser Sie gemeinsam vorbereitet sind, desto geringer wird häufig die Existenzangst.

Handeln Sie nicht überstürzt

In einer wirtschaftlichen Krise gelten auch für Ihr Privatvermögen rechtliche Grenzen. Vermögensverschiebungen oder größere finanzielle Entscheidungen sollten deshalb niemals spontan getroffen werden.

Werden Vermögenswerte in der Krise übertragen oder verschenkt, können solche Vorgänge später angefochten und rückgängig gemacht werden. Was heute sinnvoll erscheint, kann später also erhebliche rechtliche Folgen haben. Lassen Sie sich vorher beraten – eine gute Planung schützt häufig besser als hektischer Aktionismus.

Häufige Fehler

So tun, als wäre alles in Ordnung. Existenzangst verschwindet nicht dadurch, dass man sie verdrängt – sie wächst im Verborgenen häufig sogar weiter.

Aus Angst hektische Entscheidungen treffen. Gerade in einer Krise brauchen Sie einen klaren Plan statt spontaner Reaktionen.

Alleine kämpfen. Suchen Sie frühzeitig das offene Gespräch mit Ihrer Familie und Ihren Beratern, statt die Last allein zu tragen.

Häufige Fragen

Ist Existenzangst in einer Unternehmenskrise normal?
Ja. Fast jeder Unternehmer erlebt in einer solchen Situation erhebliche Sorgen um seine berufliche und private Zukunft. Das ist eine völlig normale Reaktion und kein Zeichen von Schwäche.
Wie kann ich die Angst verringern?
Am besten durch einen klaren Sanierungsplan, eine realistische Liquiditätsplanung und möglichst ausreichende finanzielle Reserven. Klarheit über den weiteren Weg nimmt der Angst ihre Grundlage.
Sollte ich jetzt noch Vermögen übertragen oder größere Geldbeträge verschenken?
Solche Entscheidungen sollten Sie niemals ohne rechtliche Beratung treffen. In einer Unternehmenskrise können für Vermögensverschiebungen besondere rechtliche Risiken bestehen, und solche Vorgänge lassen sich später unter Umständen anfechten.
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Über den Autor

Jörg Franzke

Jörg Franzke ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Restrukturierung, Eigenverwaltung, Insolvenzpläne und StaRUG-Verfahren.

Seit über 30 Jahren begleitet er Unternehmer in Krisensituationen und hat mehr als 250 Unternehmenssanierungen begleitet.

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