Kein Unternehmer beschäftigt sich mit Insolvenzrecht, Eigenverwaltung oder StaRUG, wenn alles hervorragend läuft. Wenn Sie diesen Artikel lesen, spüren Sie wahrscheinlich bereits, dass sich in Ihrem Unternehmen etwas verändert. Nehmen Sie dieses Gefühl ernst – nicht aus Angst, sondern aus Verantwortung.
Die entscheidende Frage lautet nicht, ob es Ihnen unangenehm ist. Sie lautet: Muss ich jetzt handeln, oder kann ich noch abwarten? Und diese Frage lässt sich überraschend klar beantworten, wenn man auf die richtige Kennzahl schaut.
- Ob Sie noch abwarten können, entscheidet nicht der Gewinn und nicht das Vermögen, sondern allein die Liquidität.
- Ein Unternehmen kann Millionen an Vermögenswerten besitzen und trotzdem zahlungsunfähig sein.
- Überwachen Sie Ihre Liquidität täglich – sie ist der wichtigste Frühwarnindikator jeder Krise.
- Je früher Sie handeln, desto größer sind Ihre Gestaltungsmöglichkeiten. Warten ist keine Strategie.
Vermögen schützt nicht vor einer Insolvenz
Das ist einer der häufigsten Irrtümer. Viele Unternehmer denken: Wir besitzen doch Immobilien, wir haben Maschinen, unser Unternehmen ist viel wert. All das hilft Ihnen aber wenig, wenn heute die Löhne, die Lieferanten oder die Bank bezahlt werden müssen.
Ein Grundstück verkauft sich nicht innerhalb weniger Tage. Maschinen lassen sich nicht über Nacht zu Geld machen. In einer Krise zählt allein eines: Wie viel Geld steht heute tatsächlich zur Verfügung? Deshalb entscheidet nicht das Vermögen über eine Insolvenz, sondern die Zahlungsfähigkeit.
Überwachen Sie Ihre Liquidität – jeden Tag
Meine erste Empfehlung lautet deshalb immer: Erstellen Sie eine einfache Liquiditätsplanung. Dafür brauchen Sie keine teure Software. Oft genügt eine saubere Excel-Tabelle, in der Sie die erwarteten Einnahmen, die fälligen Ausgaben und den täglichen Kontostand untereinander aufschreiben.
So erkennen Sie frühzeitig, wann Engpässe entstehen. Allein diese Übung verändert den Blick auf das Unternehmen. Sie treffen Entscheidungen nicht mehr aus dem Bauchgefühl heraus, sondern auf Grundlage konkreter Zahlen – und genau das verschafft Ihnen den objektiven Maßstab, nach dem Sie eigentlich suchen.
Wird die Lage kritischer?
Wenn die Liquidität knapp wird, reicht eine allgemeine Planung irgendwann nicht mehr aus. Dann sollten Sie täglich überprüfen, welche liquiden Mittel heute tatsächlich verfügbar sind und welche Verbindlichkeiten heute fällig sind.
Übersteigen die fälligen Verbindlichkeiten die verfügbaren Mittel erheblich, muss sorgfältig geprüft werden, ob bereits Anzeichen einer Zahlungsunfähigkeit vorliegen. Entscheidend ist dann die nächste Frage: Schließt sich diese Lücke in den kommenden Wochen wieder – oder bleibt sie bestehen? Genau diese Beurteilung entscheidet darüber, ob noch Zeit für Sanierungsmaßnahmen bleibt oder ob gehandelt werden muss.
Warten ist keine Strategie
Viele Unternehmer hoffen darauf, dass doch noch ein großer Auftrag kommt, dass die Bank den Kredit verlängert oder dass sich das Problem irgendwie von selbst löst. Nach meiner Erfahrung passiert das nur selten.
Je früher Sie handeln, desto größer sind Ihre Gestaltungsmöglichkeiten. Eigenverwaltung und StaRUG leben davon, dass das Unternehmen noch handlungsfähig ist. Wer zu lange wartet, nimmt sich diese Möglichkeiten häufig selbst – und steht am Ende nicht mehr vor einer Entscheidung, sondern nur noch vor einer Notlage.
Häufige Fehler
Auf das Vermögen statt auf die Liquidität schauen. Entscheidend ist nicht, was Ihr Unternehmen wert ist, sondern ob heute genügend Geld vorhanden ist.
Keine Liquiditätsplanung erstellen. Wer seine Liquidität nicht kennt, erkennt die Krise oft zu spät.
Hoffen statt entscheiden. Hoffnung ersetzt keine Planung – und kein großer Auftrag kommt zuverlässig genug, um darauf ein Unternehmen zu retten.
Häufige Fragen
- Kann ich trotz hoher Vermögenswerte insolvent sein?
- Ja. Eine Insolvenz richtet sich nach der Zahlungsfähigkeit und nicht nach dem Vermögen des Unternehmens. Wer heute seine fälligen Rechnungen nicht bezahlen kann, ist gefährdet – unabhängig davon, wie viel das Unternehmen auf dem Papier wert ist.
- Reicht eine einfache Excel-Tabelle?
- Für viele Unternehmen ist eine sauber geführte Liquiditätsplanung in Excel ein hervorragender erster Schritt. Wichtiger als die Software ist, dass Sie Einnahmen, Ausgaben und Kontostand ehrlich und regelmäßig pflegen.
- Wann sollte ich einen Sanierungsexperten einschalten?
- Nicht erst dann, wenn kein Geld mehr vorhanden ist. Je früher Sie handeln, desto mehr Möglichkeiten bestehen, Ihr Unternehmen zu retten.
Wie ein Unternehmen die Krise rechtzeitig erkannte, seine Liquidität in den Griff bekam und dadurch den Handlungsspielraum für eine erfolgreiche Sanierung behielt.
Ab wann wird Liquiditätsmangel gefährlich?
Nicht der Kontostand entscheidet, sondern die Fälligkeit Ihrer Rechnungen – und warum sich eine Liquiditätskrise wie eine Lawine beschleunigt.
Beitrag lesenWoran erkenne ich, dass mein Unternehmen wirklich in der Krise ist?
Warum die Vier-Wochen-Frage die wichtigste Kennzahl für jeden Geschäftsführer ist – und wann Handeln geboten ist.
Beitrag lesenJörg Franzke
Jörg Franzke ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Restrukturierung, Eigenverwaltung, Insolvenzpläne und StaRUG-Verfahren.
Seit über 30 Jahren begleitet er Unternehmer in Krisensituationen und hat mehr als 250 Unternehmenssanierungen begleitet.
Persönliche Beratung. Keine Delegation. Keine Standardlösungen.