Viele Unternehmer gehen davon aus, dass sich das Verhältnis zur Bank jederzeit wieder normalisieren lässt. Meine Erfahrung als Restrukturierungsanwalt zeigt ein anderes Bild.
Ist das Vertrauen einmal beschädigt, wird die Zusammenarbeit spürbar vorsichtiger. Genau deshalb kommt es darauf an, den richtigen Zeitpunkt für das Gespräch nicht zu verpassen.
- Vertrauen lässt sich nicht beliebig wiederherstellen. Es gibt einen Punkt, an dem die Bank die Entwicklung des Unternehmens nur noch unter Risikogesichtspunkten betrachtet und die Zusammenarbeit sich grundlegend verändert.
- Zusätzliche Gutachten, Reportings und externe Berater können sinnvoll sein. Sie lösen aber nicht automatisch das eigentliche Vertrauensproblem und binden Zeit, die im operativen Geschäft fehlt.
- Saniert wird ein Unternehmen nicht durch Berichte, sondern durch Kunden, Aufträge und Erträge. Der organisatorische Aufwand sollte in einem vernünftigen Verhältnis zum Unternehmenszweck stehen.
- Der beste Weg, Vertrauen zu erhalten, besteht darin, gar nicht erst in diese Situation zu geraten: früh handeln, sobald sich erste Warnsignale abzeichnen.
Vertrauen lässt sich nicht beliebig wiederherstellen
Viele Unternehmer glauben, sie könnten das Vertrauen ihrer Bank jederzeit zurückgewinnen. Meine Erfahrung ist eine andere.
Es gibt einen Punkt, an dem die Bank die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens nur noch unter Risikogesichtspunkten betrachtet. Dann verändert sich die Zusammenarbeit grundlegend: Die Bank wird vorsichtiger, verlangt zusätzliche Informationen und prüft jede Entscheidung deutlich intensiver.
Mehr Gutachten bedeuten nicht automatisch mehr Vertrauen
In schwierigen Situationen verlangen Banken häufig zusätzliche Unterlagen: Sanierungsgutachten, Liquiditätsplanungen, regelmäßige Reportings oder die Begleitung durch externe Berater. Diese Instrumente können durchaus sinnvoll sein.
In der Praxis habe ich jedoch auch erlebt, dass sich der Aufwand immer weiter erhöht, ohne dass das eigentliche Vertrauensproblem gelöst wird. Während Geschäftsführer Berichte erstellen und Besprechungen vorbereiten, bleibt oft immer weniger Zeit für das operative Geschäft, also genau für die Aufgabe, die das Unternehmen wieder erfolgreich machen soll.
Irgendwann muss der Unternehmer wieder Unternehmer sein
Natürlich brauchen Banken Informationen. Aber kein Unternehmen wird dadurch saniert, dass immer neue Berichte geschrieben werden.
Sanierung gelingt nur, wenn Kunden gewonnen, Aufträge abgearbeitet, Produkte verbessert und Erträge erwirtschaftet werden. Deshalb sollte der organisatorische Aufwand immer in einem vernünftigen Verhältnis zum eigentlichen Unternehmenszweck stehen.
Der richtige Zeitpunkt entscheidet
Der beste Weg, das Vertrauen der Bank zu erhalten, besteht darin, gar nicht erst in diese Situation zu geraten. Meine Empfehlung lautet: Suchen Sie das Gespräch, sobald sich erste Warnsignale abzeichnen.
Warten Sie nicht, bis mehrere Monate mit schlechten Ergebnissen vergangen sind und die Krise in den betriebswirtschaftlichen Auswertungen deutlich sichtbar geworden ist. Wer früh handelt, zeigt unternehmerische Verantwortung und verschafft sich deutlich mehr Handlungsspielraum.
Banken vertrauen Unternehmern, die handeln
Banken erwarten keine perfekten Unternehmen. Sie wissen, dass jede Branche schwierige Phasen erlebt. Was Banken jedoch besonders schätzen, sind Unternehmer, die Probleme früh erkennen und aktiv Lösungen entwickeln.
Genau dieses Verhalten schafft Vertrauen. Nicht die Krise entscheidet über die Finanzierung, sondern der Umgang mit der Krise.
Häufige Fehler
Zu lange warten. Wer erst handelt, wenn die Krise offensichtlich geworden ist, hat häufig bereits wertvolle Zeit verloren.
Glauben, immer neue Gutachten lösen das Problem. Gutachten können wichtige Entscheidungsgrundlagen sein, ersetzen aber keine überzeugende unternehmerische Strategie.
Das operative Geschäft vernachlässigen. Auch während einer Restrukturierung müssen Kunden betreut, Aufträge gewonnen und Umsätze erzielt werden.
Häufige Fragen
- Kann ich das Vertrauen meiner Bank zurückgewinnen?
- Ja, solange die Krise noch beherrschbar ist und Sie ein überzeugendes Sanierungskonzept vorlegen können. Je weiter die Krise fortgeschritten ist, desto schwieriger wird dies.
- Warum verlangt die Bank zusätzliche Gutachten?
- Sie dienen der Bank dazu, die wirtschaftliche Situation und die Erfolgsaussichten einer Sanierung besser einschätzen zu können.
- Wann sollte ich spätestens mit meiner Bank sprechen?
- Nach meiner Erfahrung möglichst bei den ersten erkennbaren Warnsignalen, nicht erst dann, wenn die Krise bereits tief in den Unternehmenszahlen sichtbar geworden ist.
Wie durch frühzeitige, offene Kommunikation und ein tragfähiges Konzept die Zusammenarbeit mit mehreren Banken gelang und die Sanierung in Eigenverwaltung gesichert werden konnte.
Wie spreche ich mit meiner Bank?
Der wichtigste Erfolgsfaktor ist nicht das Gespräch selbst, sondern der Zeitpunkt. Warum Sie früh, vorbereitet und mit einem Konzept auftreten sollten.
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Beitrag lesenJörg Franzke
Jörg Franzke ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Restrukturierung, Eigenverwaltung, Insolvenzpläne und StaRUG-Verfahren.
Seit über 30 Jahren begleitet er Unternehmer in Krisensituationen und hat mehr als 250 Unternehmenssanierungen begleitet.
Persönliche Beratung. Keine Delegation. Keine Standardlösungen.