Sprechen Sie mit Ihrer Familie. Viele Unternehmer versuchen, die Krise allein zu tragen, weil sie ihre Angehörigen schützen wollen. Doch die Familie spürt jede Veränderung – sie kennt nur den Grund nicht.
Nach meiner Erfahrung entstehen die größten Belastungen nicht durch die Krise selbst, sondern durch das Schweigen darüber. Offenheit ist deshalb kein Risiko, sondern der erste Schritt, die schwierige Zeit gemeinsam zu bewältigen.
- Ihre Familie merkt ohnehin, dass etwas nicht stimmt – Schweigen erzeugt vor allem Unsicherheit und Angst.
- Sie haben keinen Grund, sich zu schämen: Eine Krise macht Sie nicht zum Versager, sondern gehört zum Unternehmertum.
- Erklären Sie ehrlich, warum sich das Leben verändert – Familien gehen mit Einschränkungen besser um, wenn sie den Grund kennen.
- Wichtiger als möglichst viele Quadratmeter sind Menschen, die füreinander da sind.
Schweigen macht alles schlimmer
Nach meiner Erfahrung ziehen sich viele Unternehmer in einer Krise zurück. Sie schlafen schlecht, werden gereizt und sind mit ihren Gedanken ständig im Unternehmen.
Die Familie erlebt diese Veränderung jeden Tag. Wenn niemand erklärt, was eigentlich passiert, entstehen Unsicherheit, Missverständnisse und Ängste – oft belastender als die Wahrheit selbst.
Sie müssen sich nicht schämen
Einen Satz möchte ich Ihnen ausdrücklich sagen: Sie haben keinen Grund, sich zu schämen. Sie sind Unternehmer geworden, haben Verantwortung übernommen, Arbeitsplätze geschaffen und Risiken getragen, die viele Menschen niemals eingehen würden.
Vielleicht ist Ihr Unternehmen in eine Krise geraten. Aber das macht Sie nicht zu einem Versager – es macht Sie zu einem Unternehmer. Diese Haltung hilft Ihnen auch dabei, offen mit Ihrer Familie zu sprechen.
Erklären Sie die Situation ehrlich
Natürlich kann sich das Leben Ihrer Familie verändern. Vielleicht müssen Ausgaben reduziert werden, vielleicht wird das Auto verkauft, vielleicht wird die Wohnung kleiner. Solche Veränderungen sind nicht leicht.
Nach meiner Erfahrung gehen Familien damit aber wesentlich besser um, wenn sie ehrlich erfahren, warum diese Entscheidungen notwendig sind. Unsicherheit ist oft belastender als die Wahrheit.
Kinder brauchen vor allem ihre Eltern
Vor einiger Zeit sagte ein Mandant zu mir: „Meine Kinder sind es gewohnt, in einer riesigen Wohnung aufzuwachsen.“ Ich habe ihn gefragt, ob sich seine Kinder später wirklich an die Größe der Wohnung erinnern werden – oder daran, dass ihr Vater plötzlich wieder Zeit für sie hatte.
Kinder brauchen vor allem Menschen, die für sie da sind, nicht möglichst viele Quadratmeter. Wichtig ist außerdem, dass Kinder spüren: Die Familie hält zusammen, und sie tragen keine Schuld an der Situation.
Jede Krise verändert auch das Leben
Natürlich bringt eine Unternehmenskrise Einschränkungen mit sich. Aber sie verändert nicht nur das Unternehmen, sondern häufig auch den Blick auf das Wesentliche.
Viele Unternehmer erzählen mir Jahre später, dass sie in dieser Zeit erkannt haben, worauf es im Leben wirklich ankommt. Nicht alles, was in einer Krise verloren geht, ist am Ende wirklich ein Verlust.
Häufige Fehler
Die Familie im Unklaren lassen. Ihre Familie merkt ohnehin, dass etwas nicht stimmt – das Schweigen erzeugt vor allem Angst und Distanz.
Sich für das Scheitern schämen. Unternehmerisches Risiko gehört zum Unternehmertum, und eine Krise ist kein Grund, sich vor der eigenen Familie zu verstecken.
Nur über Geld sprechen. Mindestens genauso wichtig ist die gemeinsame Perspektive für die Zukunft und das Gefühl, als Familie zusammenzuhalten.
Häufige Fragen
- Soll ich meiner Familie die wirtschaftliche Situation offen erklären?
- Ja. Nach meiner Erfahrung schafft Offenheit mehr Vertrauen als Schweigen. Ihre Familie spürt die Veränderung ohnehin – die Wahrheit gibt ihr Halt statt Unsicherheit.
- Muss ich meinen Kindern alles erzählen?
- Das hängt vom Alter der Kinder ab. Wichtig ist, dass sie spüren, dass die Familie zusammenhält und sie keine Schuld an der Situation tragen.
- Sollte ich mich für die Krise schämen?
- Nein. Unternehmerisches Handeln bedeutet immer auch, Risiken einzugehen. Eine Krise macht Sie nicht zu einem schlechten Unternehmer oder Menschen.
Wie ein Unternehmer durch Offenheit gegenüber seiner Familie neue Kraft fand und sein Unternehmen gemeinsam getragen durch die Krise führte.
Jörg Franzke
Jörg Franzke ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Restrukturierung, Eigenverwaltung, Insolvenzpläne und StaRUG-Verfahren.
Seit über 30 Jahren begleitet er Unternehmer in Krisensituationen und hat mehr als 250 Unternehmenssanierungen begleitet.
Persönliche Beratung. Keine Delegation. Keine Standardlösungen.