Kaum eine Frage bewegt Unternehmer in der Krise so sehr wie diese: „Verlieren wir jetzt unser Haus?“ Dahinter steht nicht nur eine wirtschaftliche Sorge, sondern die Angst um das Zuhause der eigenen Familie.
Die gute Nachricht: Ein Automatismus zwischen der Insolvenz des Unternehmens und dem Verlust des Eigenheims besteht nicht. Ob Ihr Haus tatsächlich gefährdet ist, entscheidet sich an Ihrer persönlichen Haftung – und daran, wie früh Sie Ihre private Situation in die Sanierung einbeziehen.
- Eine Unternehmensinsolvenz führt nicht automatisch zum Verlust des Eigenheims.
- Entscheidend ist Ihre persönliche Haftung – vor allem Bürgschaften und Ansprüche von Banken oder Finanzamt.
- Ist das Haus mehr wert als die Darlehen, kann dieser Wert bei einer späteren Privatinsolvenz eine Rolle spielen.
- Wer frühzeitig plant, hat deutlich mehr Möglichkeiten, das Eigenheim zu schützen.
Das Haus gehört zunächst Ihnen
Viele Unternehmer glauben, dass mit der Insolvenz des Unternehmens automatisch auch das Eigenheim verloren ist. Das stimmt so nicht. Das Haus gehört zunächst weiterhin Ihnen – die Insolvenz betrifft in erster Linie das Unternehmen, nicht Ihr Privatvermögen.
Zuerst muss geprüft werden, wem das Haus gehört, welche Grundschulden bestehen, wie hoch die Darlehen noch sind und welche persönlichen Haftungen auf Sie zukommen. Erst danach lässt sich beurteilen, ob das Eigenheim tatsächlich gefährdet ist.
Die größte Gefahr entsteht häufig durch persönliche Haftung
Nach meiner Erfahrung gerät das Eigenheim meist nicht wegen der Unternehmensinsolvenz selbst in Gefahr. Das eigentliche Problem entsteht, wenn Unternehmer persönlich in Anspruch genommen werden.
Das können Bürgschaften gegenüber Banken sein, persönliche Haftungsansprüche oder Forderungen des Finanzamts. Dadurch verschlechtert sich häufig auch Ihre private Bonität – und genau hier beginnt die eigentliche Gefahr für das Haus.
Dann kann auch die Hausfinanzierung betroffen sein
Wird Ihr Privatkonto gepfändet oder sinkt Ihr Einkommen erheblich, können Schwierigkeiten bei der Bedienung des Hauskredits entstehen. Werden die Darlehensraten dauerhaft nicht mehr bezahlt, kann die finanzierende Bank den Kredit kündigen.
Deshalb sollte die private Finanzierung frühzeitig in die Sanierungsstrategie einbezogen werden. Wer die Hausfinanzierung von Anfang an mitdenkt, kann Engpässe rechtzeitig erkennen und gemeinsam mit der Bank Lösungen finden, bevor es zu Vollstreckungsmaßnahmen kommt.
Besonders schwierig wird es bei Ehepartnern
Oft gehört das Haus beiden Ehegatten, und häufig haben auch beide den Kreditvertrag unterschrieben. Gerät einer der Ehepartner wirtschaftlich in Schwierigkeiten, kann sich das deshalb auf die gesamte Familie auswirken.
Gerade deshalb sollte frühzeitig geprüft werden, welche Möglichkeiten bestehen, das Eigenheim zu schützen. Wer die Eigentums- und Haftungsverhältnisse der Familie kennt, kann rechtzeitig überlegen, wie sich die private Situation ordnen lässt.
Frühzeitig planen schafft Gestaltungsspielräume
Nach meiner Erfahrung lassen sich viele Probleme vermeiden, wenn rechtzeitig geplant wird. Je nach persönlicher Situation kommen unterschiedliche Lösungen in Betracht. Welche Möglichkeiten bestehen, hängt immer vom Einzelfall ab und sollte sorgfältig geprüft werden, bevor eine Unternehmensinsolvenz beantragt wird.
Wer dagegen erst handelt, wenn bereits Vollstreckungsmaßnahmen laufen, hat häufig deutlich weniger Gestaltungsmöglichkeiten. Zeit ist bei dieser Frage einer der wichtigsten Faktoren – und der lässt sich nur durch frühzeitiges Handeln gewinnen.
Auch der Wert des Hauses spielt eine Rolle
Ist das Eigenheim deutlich mehr wert als die darauf lastenden Darlehen, kann dieser Vermögenswert bei einer späteren Privatinsolvenz eine wichtige Rolle spielen. Deshalb sollte frühzeitig geprüft werden, welchen tatsächlichen Wert das Haus hat, welche Belastungen bestehen und welche Auswirkungen sich daraus für Ihre persönliche Vermögenssituation ergeben.
Auch diese Analyse gehört nach meiner Erfahrung zu einer guten Sanierungsberatung. Nur wer die Werte und Belastungen realistisch kennt, kann fundiert entscheiden, welche Schritte zum Schutz des Eigenheims sinnvoll sind.
Häufige Fehler
Davon ausgehen, dass das Haus automatisch verloren ist. Eine Unternehmensinsolvenz führt nicht automatisch zum Verlust des Eigenheims – entscheidend ist Ihre persönliche Haftung.
Die private Finanzierung nicht in die Planung einbeziehen. Das Eigenheim sollte von Beginn an Teil der Sanierungsstrategie sein.
Zu lange warten. Je früher die persönliche Vermögenssituation geprüft wird, desto größer bleiben häufig die Gestaltungsmöglichkeiten.
Häufige Fragen
- Verliere ich durch die Unternehmensinsolvenz automatisch mein Haus?
- Nein. Ob das Eigenheim gefährdet ist, hängt von Ihrer persönlichen Haftung und Ihrer privaten Vermögenssituation ab, nicht von der Insolvenz des Unternehmens selbst.
- Spielen Bürgschaften eine Rolle?
- Ja. Persönliche Bürgschaften gehören zu den häufigsten Gründen, weshalb Unternehmer auch privat in Schwierigkeiten geraten und das Eigenheim gefährdet sein kann.
- Kann ich mein Haus noch schützen?
- Nach meiner Erfahrung bestehen häufig Gestaltungsmöglichkeiten. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt jedoch immer von Ihrer persönlichen Situation ab und sollte möglichst frühzeitig geprüft werden.
Wie ein Unternehmer seine private Situation frühzeitig in die Sanierung einbezog, die persönliche Haftung Schritt für Schritt klärte und so das Zuhause seiner Familie sichern konnte.
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Jörg Franzke ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Restrukturierung, Eigenverwaltung, Insolvenzpläne und StaRUG-Verfahren.
Seit über 30 Jahren begleitet er Unternehmer in Krisensituationen und hat mehr als 250 Unternehmenssanierungen begleitet.
Persönliche Beratung. Keine Delegation. Keine Standardlösungen.