Ich möchte Ihnen an dieser Stelle nichts vormachen: Ein StaRUG-Verfahren kann scheitern. Viele Kanzleien stellen das StaRUG als eine Art Allheilmittel dar – das ist es nicht. Ein Restrukturierungsverfahren gehört zu den anspruchsvollsten Sanierungsverfahren überhaupt.
Trotzdem bin ich als Restrukturierungsanwalt ein überzeugter Befürworter dieses Instruments. Denn wer weiß, woran Verfahren tatsächlich scheitern, kann genau diese Punkte von Anfang an vermeiden. Ich erkläre offen, wo die Risiken liegen – und warum sie kein Grund sind, auf die Chancen des StaRUG zu verzichten.
- Ja, ein StaRUG-Verfahren kann scheitern. Nicht wegen des Gesetzes, sondern weil ein Restrukturierungsplan hohe rechtliche und wirtschaftliche Anforderungen erfüllen muss.
- Selten sind die Banken das Problem. Große Finanzierungsgläubiger denken wirtschaftlich und sind oft vergleichsbereiter, als viele Unternehmer vermuten.
- Die rechtliche Prüfung ist die größte Hürde. Das StaRUG ist noch jung, viele Fragen sind nicht abschließend geklärt – Gerichte entscheiden entsprechend vorsichtig.
- Vorbereitung entscheidet über den Erfolg. Je sorgfältiger der Plan vorbereitet ist und je früher Sie handeln, desto größer sind die Erfolgschancen.
Ich möchte Ihnen nichts vormachen
Ein Restrukturierungsplan ist kein Formular, das man ausfüllt. Es müssen umfangreiche Planungsunterlagen erstellt werden, die Unternehmensplanung muss plausibel sein, der Plan muss rechtlich sauber aufgebaut sein, und jede Annahme muss nachvollziehbar begründet werden. Das ist echte Arbeit – und genau hier entscheidet sich, ob ein Verfahren trägt.
Dabei gilt eine einfache Regel: Je komplexer ein Verfahren ist, desto größer ist auch das Risiko, dass Einwände erhoben werden. Wer den Plan sorgfältig vorbereitet und alle gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt, minimiert dieses Risiko erheblich. Wer dagegen mit einer dünnen Planung startet, bietet Angriffsfläche.
Überraschenderweise scheitert es selten an den Banken
Viele Unternehmer glauben, die Banken seien das größte Hindernis. Meine Erfahrung ist eine andere. Große Finanzierungsgläubiger denken wirtschaftlich – sie rechnen. Und sie wissen, dass ein geordneter Schuldenschnitt für sie oft mehr bringt als eine Insolvenz mit ungewissem Ausgang.
Gerade Banken sind deshalb häufig vergleichsbereiter, als viele Unternehmer zunächst vermuten. Entscheidend ist, dass ihnen die Lösung nachvollziehbar und wirtschaftlich sinnvoll präsentiert wird. Wird sauber gerechnet und offen kommuniziert, ist die ablehnende Bank eher die Ausnahme als die Regel.
Die größte Herausforderung ist häufig die rechtliche Prüfung
Das StaRUG ist ein vergleichsweise junges Gesetz – es gilt in Deutschland erst seit Anfang 2022. Es gibt zwar inzwischen wichtige Gerichtsentscheidungen, viele Detailfragen sind jedoch noch nicht abschließend geklärt. Damit tragen die Restrukturierungsgerichte eine große Verantwortung.
Sie müssen häufig über Fragen entscheiden, zu denen es noch keine gefestigte Rechtsprechung gibt. Das führt verständlicherweise dazu, dass manche Entscheidungen eher vorsichtig ausfallen. Für die Praxis bedeutet das: Ein Restrukturierungsplan muss auch rechtlich so sauber aufgebaut sein, dass er einer kritischen Prüfung standhält – nicht nur wirtschaftlich überzeugen.
Wirtschaft trifft auf Recht
Ein Restrukturierungsplan ist kein rein juristisches Dokument. Er beruht auf unternehmerischen Entscheidungen: Wie entwickelt sich der Markt? Welche Finanzierung ist sinnvoll? Welche Gläubiger sollen einbezogen werden? Welche Sanierungsmaßnahmen sind realistisch?
Hier treffen wirtschaftliche Einschätzungen und juristische Anforderungen unmittelbar aufeinander. Genau das macht StaRUG-Verfahren anspruchsvoll – und genau deshalb sollten Sie sie nie allein juristisch oder allein betriebswirtschaftlich denken. Beide Seiten müssen zusammenpassen, sonst wird der Plan angreifbar.
Das StaRUG entwickelt sich ständig weiter
Ich begleite Restrukturierungen seit vielen Jahren, und mein Eindruck ist eindeutig: Gerichte und Beteiligte sammeln mit jedem Verfahren mehr Erfahrung. Was vor wenigen Jahren noch als offene Frage galt, ist heute oft schon geklärt.
Das gibt mir Zuversicht. Ich bin überzeugt, dass sich das StaRUG in den kommenden Jahren ähnlich selbstverständlich etablieren wird wie heute die Eigenverwaltung oder das Schutzschirmverfahren. Neue Gesetze brauchen Zeit, um sich in der Praxis einzuspielen – das StaRUG bildet hier keine Ausnahme.
Häufige Fehler
Das StaRUG als einfache Lösung betrachten. Ein Restrukturierungsverfahren verlangt eine sorgfältige Vorbereitung – es ist kein Abkürzungsweg.
Mit einer unzureichenden Planung beginnen. Je besser der Restrukturierungsplan vorbereitet ist, desto größer sind die Erfolgschancen und desto weniger Angriffsfläche bietet er.
Zu lange warten. Das StaRUG entfaltet seine größte Stärke, solange das Unternehmen noch gestaltungsfähig ist. Wer zögert, verschenkt genau diesen Vorteil.
Häufige Fragen
- Scheitern viele StaRUG-Verfahren?
- Sie sind anspruchsvoll und stellen hohe Anforderungen an Planung und Vorbereitung. Deshalb gelingt nicht jedes Verfahren – mit sorgfältiger Vorbereitung sind die Erfolgschancen jedoch gut.
- Sind die Banken das größte Problem?
- Nach meiner Erfahrung häufig nicht. Viele Banken sind zu wirtschaftlich sinnvollen Lösungen bereit, wenn sie nachvollziehbar begründet werden.
- Lohnt sich das StaRUG trotzdem?
- Ja. Ich halte das StaRUG trotz aller Herausforderungen für eines der wirkungsvollsten Instrumente der Unternehmenssanierung.
Wie ein durchdachter Restrukturierungsplan die kritische gerichtliche Prüfung bestand und die beteiligten Banken zu einer wirtschaftlich sinnvollen Lösung fanden.
Jörg Franzke
Jörg Franzke ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Restrukturierung, Eigenverwaltung, Insolvenzpläne und StaRUG-Verfahren.
Seit über 30 Jahren begleitet er Unternehmer in Krisensituationen und hat mehr als 250 Unternehmenssanierungen begleitet.
Persönliche Beratung. Keine Delegation. Keine Standardlösungen.