Jörg Franzke
Mitarbeiter

Soll ich offen über die Krise sprechen?

Offenheit ist richtig – aber sie zielt auf die Lösung, nicht auf das Problem. Mitarbeiter suchen in der Krise keine Schuldbekenntnisse, sondern Orientierung und einen Weg nach vorne.

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Rubrik
Mitarbeiter
Lesezeit
6 Min.
Merksatz
Nicht über die Krise, über die Zukunft sprechen

Kaum eine Frage stellt sich Unternehmern in der Krise so dringend wie diese: Wie ehrlich soll ich zu meiner Belegschaft sein? Viele glauben, echte Offenheit bedeute, jede Sorge ungefiltert weiterzugeben. Nach meiner Erfahrung ist das ein Missverständnis.

Offenheit ist wichtig – aber sie richtet sich auf die Lösung, nicht auf jede Einzelheit des Problems. Mitarbeiter wollen Orientierung. Und Orientierung entsteht nicht durch die Aufzählung von Schwierigkeiten, sondern durch einen klaren Weg nach vorne.

Das Wichtigste in 60 Sekunden
  • Mitarbeiter brauchen keine ungefilterten Katastrophenmeldungen. Sie können die Krise meist weder lösen noch beeinflussen – sie suchen Antworten auf drei Fragen: Ist mein Arbeitsplatz sicher, bekomme ich mein Gehalt, hat das Unternehmen eine Zukunft?
  • Statt „Wir haben eine Krise" sollte die Botschaft lauten: „Wir haben einen Plan." Eine Eigenverwaltung ist keine Kapitulation, sondern ein Instrument zur Sanierung.
  • Schuldzuweisungen und öffentliche Selbstanklagen sind das falsche Signal. Die Belegschaft sucht Führung, nicht Schuldbekenntnisse.
  • Je verständlicher Sie Insolvenzgeld, Fortführung und Sanierungsweg erklären, desto schneller kehrt Ruhe ins Unternehmen zurück.

Mitarbeiter brauchen keine Katastrophenmeldungen

Viele Geschäftsführer glauben, absolute Offenheit bedeute, jede Sorge ungefiltert mit der Belegschaft zu teilen. Das halte ich für einen Fehler. Mitarbeiter können die Krise meistens weder lösen noch beeinflussen.

Sie stellen sich vielmehr drei Fragen: Ist mein Arbeitsplatz sicher? Bekomme ich mein Gehalt? Hat das Unternehmen noch eine Zukunft? Genau diese Fragen sollten Sie beantworten – nicht jede Einzelheit der Krise.

Das ist kein Verschweigen und keine Beschönigung. Es ist die bewusste Entscheidung, die Kommunikation auf das auszurichten, was für die Menschen im Unternehmen wirklich zählt.

Sprechen Sie über die Zukunft

Wenn Sie Ihren Mitarbeitern sagen „Wir haben eine Krise", ist das nur die halbe Wahrheit. Erklären Sie stattdessen: „Wir haben einen Plan."

Eine Eigenverwaltung ist keine Kapitulation. Sie ist ein Instrument, um ein Unternehmen zu sanieren. Genau das sollten Ihre Mitarbeiter verstehen: Nicht die Probleme stehen im Mittelpunkt, sondern der Weg aus den Problemen.

Diese Perspektive verändert alles. Wer den Blick nach vorne richtet, gibt der Belegschaft ein Ziel – und ein Ziel trägt durch schwierige Monate.

Vermeiden Sie Schuldzuweisungen

Ich habe mehrfach erlebt, dass Geschäftsführer ihre Betriebsversammlung mit Sätzen beginnen wie „Ich habe Fehler gemacht" oder „Es tut mir leid, ich habe das Unternehmen in diese Situation gebracht". Diese Ehrlichkeit ist menschlich nachvollziehbar – für die Mitarbeiter ist sie jedoch häufig das falsche Signal.

Die Belegschaft sucht in einer Krise keine Schuldbekenntnisse. Sie sucht Führung. Deshalb empfehle ich: Erklären Sie die Ursachen der Krise sachlich, übernehmen Sie Verantwortung – aber richten Sie den Blick konsequent nach vorne.

Geben Sie Ihren Mitarbeitern Orientierung

Die meisten Mitarbeiter haben noch nie eine Eigenverwaltung erlebt. Sie wissen nicht, wie das Insolvenzgeld funktioniert, warum der Geschäftsbetrieb weiterläuft, weshalb die Arbeitsplätze häufig erhalten bleiben und warum eine Sanierung gerade jetzt möglich ist.

Je verständlicher Sie diese Zusammenhänge erklären, desto schneller kehrt Ruhe ins Unternehmen zurück. Orientierung ist in der Krise das wertvollste Gut, das Sie Ihrer Belegschaft geben können.

Die Eigenverwaltung ist ein Neustart

Viele Menschen verbinden das Wort Insolvenz mit dem Ende eines Unternehmens. Bei der Eigenverwaltung ist häufig das Gegenteil der Fall: Sie schafft die wirtschaftlichen Voraussetzungen dafür, dass das Unternehmen wieder gesund werden kann.

Diese Botschaft sollte Ihre gesamte Kommunikation prägen. Nicht „Wir sind insolvent", sondern „Wir sanieren unser Unternehmen". Das beschreibt den Kern der Eigenverwaltung deutlich besser – und es ist die Wahrheit.

Häufige Fehler

Nur über Probleme sprechen. Wer ausschließlich die Krise beschreibt, erzeugt Unsicherheit statt Vertrauen.

Sich selbst öffentlich verurteilen. Mitarbeiter erwarten Führung – keine Selbstanklage.

Keinen konkreten Plan vermitteln. Je klarer der Weg nach vorne beschrieben wird, desto größer ist das Vertrauen der Belegschaft.

Häufige Fragen

Soll ich die wirtschaftlichen Probleme vollständig offenlegen?
Nein. Mitarbeiter benötigen vor allem verständliche Informationen über ihre eigene Situation und den weiteren Weg des Unternehmens – nicht jede Einzelheit der Krise.
Sollte ich Fehler eingestehen?
Verantwortung zu übernehmen ist richtig. Die Kommunikation sollte sich jedoch auf die Lösung und die Zukunft konzentrieren, nicht auf Schuldbekenntnisse.
Wie erkläre ich die Eigenverwaltung?
Nicht als Ende des Unternehmens, sondern als Instrument der Sanierung und des wirtschaftlichen Neustarts.
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Über den Autor

Jörg Franzke

Jörg Franzke ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Restrukturierung, Eigenverwaltung, Insolvenzpläne und StaRUG-Verfahren.

Seit über 30 Jahren begleitet er Unternehmer in Krisensituationen und hat mehr als 250 Unternehmenssanierungen begleitet.

Persönliche Beratung. Keine Delegation. Keine Standardlösungen.

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