In jeder Sanierung gibt es Mitarbeiter, die schlicht unersetzbar sind. Sie kennen die Kunden, sie beherrschen die Abläufe, sie lösen Probleme, bevor sie zu Krisen werden. Verlassen diese Menschen das Unternehmen, wird die Sanierung deutlich schwerer – manchmal unmöglich.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wie halte ich meine Leistungsträger, gerade wenn das Unternehmen in einer Eigenverwaltung steckt? Nach meiner Erfahrung als Restrukturierungsanwalt liegt die Antwort seltener im Gehalt als in der Führung.
- Leistungsträger bleiben vor allem dann, wenn sie an die Zukunft des Unternehmens glauben und ihre Rolle darin verstehen.
- Persönliche Gespräche und echte Wertschätzung wirken bei Schlüsselmitarbeitern oft stärker als jeder finanzielle Anreiz.
- Bleibeprämien können eine sinnvolle Ergänzung sein, ersetzen aber keine glaubwürdige Führung.
- Wer seinen wichtigsten Mitarbeitern erklärt, warum er sie braucht, hat den entscheidenden Schritt meist schon getan.
Leistungsträger wollen gebraucht werden
In jeder Unternehmenskrise gibt es Mitarbeiter, ohne die der Geschäftsbetrieb praktisch nicht funktionieren würde. Sie kennen die Kunden, sie kennen die Abläufe, und sie lösen Probleme, an denen andere scheitern.
Diese Mitarbeiter müssen früh erkennen: Ohne mich wird die Sanierung nicht gelingen. Das ist keine Floskel, sondern entspricht der Realität. Wer diese Bedeutung spürt, entwickelt eine ganz andere Bindung an das Unternehmen.
Erklären Sie die Mission
Viele Geschäftsführer sprechen mit ihren wichtigsten Mitarbeitern ausschließlich über die Krise. Ich empfehle etwas anderes: Erklären Sie ihnen, warum die Eigenverwaltung gewählt wurde, weshalb das Unternehmen unbedingt erhalten werden soll, welche Chancen die Sanierung bietet und warum gerade sie für diesen Weg unverzichtbar sind.
Menschen engagieren sich für Aufgaben, die Sinn ergeben. Wer sich als wichtiger Teil einer erfolgreichen Sanierung versteht, entscheidet sich häufig bewusst dafür, zu bleiben.
Sprechen Sie persönlich mit Ihren Schlüsselmitarbeitern
Leistungsträger sollten niemals nur durch eine allgemeine Betriebsversammlung informiert werden. Führen Sie persönliche Gespräche und erklären Sie offen, weshalb Sie gerade auf diesen Mitarbeiter setzen, welche Verantwortung er übernimmt und welche Perspektiven sich nach der Sanierung ergeben.
Diese persönliche Wertschätzung wirkt häufig stärker als finanzielle Anreize. Sie signalisiert dem Mitarbeiter, dass er nicht ein Name auf einer Liste ist, sondern ein tragender Pfeiler der Zukunft.
Bleibeprämien können sinnvoll sein
Lässt sich ein besonders wichtiger Mitarbeiter allein durch Gespräche nicht überzeugen, können Bleibeprämien ein geeignetes Instrument sein. Dabei erhält der Mitarbeiter eine zusätzliche Vergütung, wenn er für einen vereinbarten Zeitraum im Unternehmen bleibt.
Eine solche Bleibeprämie kann grundsätzlich auch neben dem Insolvenzgeld vereinbart werden. Sie sollte jedoch wirtschaftlich sinnvoll und rechtlich sauber ausgestaltet werden, damit sie im Verfahren Bestand hat und nicht später infrage gestellt wird.
Vertrauen schlägt Geld
Natürlich spielt das Gehalt eine Rolle. Nach meiner Erfahrung ist bei Leistungsträgern jedoch etwas anderes entscheidend. Sie möchten wissen: Hat das Unternehmen eine Zukunft? Glaubt der Geschäftsführer selbst an die Sanierung? Bin ich Teil dieser Zukunft?
Wer diese Fragen überzeugend beantwortet, hat häufig schon den wichtigsten Schritt getan. Geld allein bindet niemanden, der nicht an den Weg glaubt – Vertrauen dagegen trägt auch durch schwierige Phasen.
Häufige Fehler
Mit allen Mitarbeitern gleich kommunizieren. Schlüsselmitarbeiter benötigen häufig persönliche Gespräche und eine individuelle Perspektive statt einer allgemeinen Ansprache.
Nur mit Geld argumentieren. Finanzielle Anreize können sinnvoll sein, ersetzen aber keine glaubwürdige Führung und keine echte Wertschätzung.
Leistungsträger für selbstverständlich halten. Gerade in einer Krise brauchen diese Mitarbeiter Anerkennung und Orientierung – wer sie übersieht, verliert sie am schnellsten.
Häufige Fragen
- Sollte ich mit meinen Leistungsträgern einzeln sprechen?
- Ja. Gerade Schlüsselmitarbeiter sollten frühzeitig persönlich eingebunden werden. Das schafft Vertrauen und zeigt Wertschätzung.
- Sind Bleibeprämien während einer Eigenverwaltung zulässig?
- Ja, sie können grundsätzlich vereinbart werden. Voraussetzung ist eine wirtschaftlich sinnvolle und rechtlich saubere Gestaltung.
- Reicht eine Bleibeprämie aus?
- Nach meiner Erfahrung nein. Entscheidend ist, dass der Mitarbeiter an die Zukunft des Unternehmens glaubt und erkennt, welche wichtige Rolle er für den Sanierungserfolg spielt.
Wie durch persönliche Gespräche, klare Kommunikation und gezielte Anreize die wichtigsten Mitarbeiter im Unternehmen gehalten und die Sanierung erfolgreich abgeschlossen wurde.
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Beitrag lesenJörg Franzke
Jörg Franzke ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Restrukturierung, Eigenverwaltung, Insolvenzpläne und StaRUG-Verfahren.
Seit über 30 Jahren begleitet er Unternehmer in Krisensituationen und hat mehr als 250 Unternehmenssanierungen begleitet.
Persönliche Beratung. Keine Delegation. Keine Standardlösungen.