Jörg FranzkeRechtsanwalt
Fallstudie · Personaldienstleistung

Saniert. Entschuldet. An zwei Nachfolger übergeben.

Sanierung eines spezialisierten Personaldienstleisters aus dem Raum Stuttgart in der Eigenverwaltung mit Insolvenzplan — mit einem geordneten Ausstieg der Gründerin, die ihre entschuldeten Anteile außerhalb des Verfahrens an zwei Nachfolger verkaufte.

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2008
gegründet
5 %
garantierte Quote
150 T€
Sonderzahlung des Plangaranten
Nachfolge
geregelt, Betrieb erhalten

Verlauf des Verfahrens

  1. 2008
    Gründung durch die spätere Geschäftsführerin
  2. 2022
    Umsatzhoch von rund 5 Mio. €, Expansion und Umzug
  3. ab 2023
    Rezession bei fortbestehenden Fixkosten, kumulierte Forderungsausfälle
  4. September 2025
    Antrag und Anordnung der vorläufigen Eigenverwaltung (AG Stuttgart)
  5. Dezember 2025
    Eröffnung des Verfahrens, Eigenverwaltung angeordnet
  6. 2026
    Insolvenzplan mit einer garantierten Quote von 5 Prozent, Entschuldung
  7. nach Entschuldung
    Verkauf der Anteile an zwei Nachfolger außerhalb des Verfahrens

Ausgangslage

Ein spezialisierter Personaldienstleister aus dem Raum Stuttgart, gegründet 2008 und von der Gründerin bis zuletzt als Geschäftsführerin geführt, hatte sich auf die Überlassung und Vermittlung hochqualifizierter Fachkräfte im Maschinenbau und in der Softwareentwicklung konzentriert. Das Unternehmen war in drei Feldern tätig: Arbeitnehmerüberlassung, Projekt- und Werkvertragsbearbeitung über ein eigenes Konstruktionsbüro sowie Direktvermittlung.

Der Schwerpunkt lag auf technisch anspruchsvollen, hochbezahlten Spezialisten. Der erzielte Stundenverrechnungssatz lag in der Regel 220 bis 250 Prozent über dem Stundenlohn der überlassenen Mitarbeiter — ein Beleg für die hohe Spezialisierung und den Mehrwert der vermittelten Fachkräfte.

Der Kundenstamm umfasste namhafte Industrieunternehmen aus zukunftsorientierten Branchen wie Halbleiterfertigung, Medizintechnik, Reinraum- und Batterietechnik. Im letzten Geschäftsjahr bestanden aktive Kundenbeziehungen zu 13 Unternehmen, davon sieben Großunternehmen mit mehr als 10.000 Beschäftigten.

Zuletzt beschäftigte das Unternehmen acht interne Mitarbeiter, zwei Mitarbeiter im internen Konstruktionsbüro sowie 16 externe Arbeitnehmer. Der Umsatz hatte 2022 mit rund 5 Mio. € seinen Höchststand erreicht; für 2025 wurde aufgrund der allgemeinen Marktlage nur noch ein Umsatz von etwas über 3 Mio. € erwartet.

Herausforderung

Die Krise beruhte im Kern auf zwei sich überlagernden Ursachen. Zum einen kumulierten sich über Jahre erhebliche Forderungsausfälle: Bereits 2019 kostete die Insolvenz eines Hauptkunden rund 230.000 €. Ab 2023 folgten weitere Kundeninsolvenzen mit Abschreibungen von 60.000 € und 42.000 € sowie ein erzwungener Forderungsnachlass von 75.000 €.

Zum anderen fiel eine betriebswirtschaftlich ungünstige Expansion mit dem Konjunkturabschwung zusammen. Im Boomjahr 2022 waren die interne Konstruktionsabteilung stark ausgebaut und größere Räumlichkeiten angemietet worden — die Monatsmiete stieg auf rund 20.500 €. Als ab 2023 die Rezession die Umsätze zurückgehen ließ, blieben die gestiegenen Fixkosten bestehen.

2025 verschärfte sich die Lage weiter: Kurz vor dem Abschluss zweier großer Verträge schoben die Kunden die Unterzeichnung auf. Der Antrag auf Kurzarbeitsgeld für die dadurch beschäftigungslosen Mitarbeiter wurde abgelehnt, auch der Widerspruch blieb erfolglos. Die Liquidität geriet in eine kritische Lage.

Erschwerend kam eine persönliche Dimension hinzu: Die Gründerin und Geschäftsführerin wollte sich mittelfristig aus dem Unternehmen zurückziehen. Damit stand nicht nur die Frage im Raum, wie das Unternehmen saniert wird — sondern auch, wie ein geordneter Übergang gelingen kann, ohne dass der über Jahre aufgebaute Unternehmenswert im Verfahren untergeht.

Lösung

Auf Antrag des Unternehmens ordnete das Amtsgericht Stuttgart die vorläufige Eigenverwaltung nach § 270a InsO an. Die Geschäftsführerin blieb im Amt und steuerte die Sanierung selbst — begleitet durch die Sanierungsberatung und überwacht durch einen gerichtlich bestellten Sachwalter.

Kern der Sanierung war die konsequente Bereinigung der Kostenstruktur. Die überdimensionierte Fläche wurde aufgegeben und eine deutlich kleinere angemietet: allein hieraus resultierte ab April 2026 eine Einsparung von 17.000 € monatlich. Nicht betriebsnotwendige Leasingfahrzeuge und Softwareverträge wurden gekündigt und senkten die Kosten um weitere je 2.000 € im Monat.

Im Personalbereich wurde die Struktur auf ein tragfähiges, rentables Maß zurückgeführt. In Summe sanken die monatlichen Fixkosten — noch vor den Einsparungen im Personalbereich — um rund 20.500 €. Das so verschlankte Unternehmen finanzierte sich fortan vollständig aus dem laufenden Geschäft; externes Fremdkapital war nicht erforderlich.

Parallel wurde in einem Dual-Track-Verfahren geprüft, ob eine übertragende Sanierung oder ein Investoreneinstieg möglich wäre. Ein hinzugezogener, auf die Personaldienstleistungsbranche spezialisierter M&A-Berater kam zu einem eindeutigen Ergebnis: Angesichts der Unternehmensgröße und der anhaltend schwachen Marktlage bestand keine realistische Verkaufschance. Der Insolvenzplan war damit der Weg, der die Gläubiger am besten befriedigte.

Ergebnis

Der Insolvenzplan sieht eine garantierte Quote von 5 Prozent vor; für die Verteilung an die Gläubiger steht ein Betrag von 70.000 € zur Verfügung, abgesichert durch eine Sonderzahlung eines Plangaranten in Höhe von 150.000 €. Jede Verwertungsalternative — übertragende Sanierung wie Liquidation — hätte die Gläubiger schlechter gestellt.

Mit Rechtskraft der Planbestätigung wurde das Unternehmen von seinen restlichen Verbindlichkeiten befreit (§ 227 InsO) und als Gesellschaft fortgesetzt. Aus einem Betrieb mit aufgeblähtem Kostenapparat wurde eine schlanke, auf profitable und spezialisierte Geschäftsfelder fokussierte Organisation mit positiver Fortführungsprognose.

Damit war die Grundlage für das eigentliche Ziel der Unternehmerin geschaffen: einen geordneten Rückzug. Im entschuldeten Zustand verkaufte sie ihre Geschäftsanteile an zwei Nachfolger — und zwar außerhalb des Insolvenzverfahrens.

Was diesen Fall besonders gemacht hat

Das Besondere war, dass die Unternehmerin sich eigentlich zurückziehen wollte.

Viele hätten in dieser Lage aufgegeben. Wir haben das Unternehmen dennoch konsequent zu Ende saniert und vollständig entschuldet — nicht, damit die Unternehmerin bleibt, sondern damit sie mit einem gesunden Unternehmen gehen kann.

Hier zahlt sich eine oft übersehene Besonderheit der GmbH-Insolvenz aus: Gegenstand des Verfahrens ist das Vermögen der Gesellschaft — nicht die Geschäftsanteile der Gesellschafterin. Diese Anteile sind ihr Privatvermögen und fallen nicht in die Insolvenzmasse. Solange das Unternehmen überschuldet ist, sind die Anteile praktisch wertlos. Erst mit der Entschuldung durch den Insolvenzplan gewinnen sie ihren Wert zurück.

Genau diesen Hebel haben wir genutzt. Im entschuldeten, wieder tragfähigen Zustand konnte die Unternehmerin ihre Anteile außerhalb des Insolvenzverfahrens an zwei Nachfolger verkaufen. Der Kaufpreis floss dorthin, wo er hingehört — zu ihr, als Gegenleistung für ihr Lebenswerk — und nicht in die Insolvenzmasse.

Für alle Beteiligten war das der bestmögliche Ausgang: Die Gläubiger erhielten mit dem Insolvenzplan mehr als in jeder Verwertungsalternative, die Arbeitsplätze blieben erhalten, zwei Nachfolger übernahmen ein gesundes Unternehmen — und die Gründerin konnte ihren Rückzug geordnet und wirtschaftlich vernünftig gestalten.

Faktenbox

Verfahren
Eigenverwaltung mit Insolvenzplan (§ 270a InsO)
Branche
Personaldienstleistung / hochqualifizierte Fachkräfte
Sitz
Raum Stuttgart
Gegründet
2008
Beschäftigte
8 intern, 16 extern (nach Sanierung)
Quote
5 % garantiert
Verteilungsbetrag
70.000 €
Sonderzahlung Plangarant
150.000 €
Gericht
Amtsgericht Stuttgart
Besonderheit
Anteilsverkauf an zwei Nachfolger außerhalb des Verfahrens — der Kaufpreis floss der Unternehmerin zu, nicht in die Masse
Ergebnis
Fortführung und geregelte Nachfolge
Vertrauliches Erstgespräch

Nicht jede Krise erfordert eine Insolvenz.

Oft bestehen mehr Handlungsmöglichkeiten, als Unternehmer zunächst vermuten. In einem vertraulichen Gespräch analysiere ich Ihre Situation und zeige Ihnen auf, welche Sanierungsinstrumente realistisch zur Verfügung stehen.

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