Jörg FranzkeRechtsanwalt
Fallstudie · DeepTech / Chemie

DeepTech aus Leipzig. Übertragende Sanierung. Schuldenfrei neu gestartet.

Sanierung eines Leipziger DeepTech-Unternehmens für nachhaltige Industriereinigung — über die Eigenverwaltung mit einer übertragenden Sanierung auf eine neu gegründete Gesellschaft.

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100 %
Zustimmung der Gläubiger
Alle
Arbeitsplätze erhalten
2 Standorte
in Deutschland gesichert
10–90 %
Quote über Besserungsschein

Verlauf des Verfahrens

  1. März 2026
    Antrag auf Eigenverwaltung (§ 270a InsO)
  2. März 2026
    Vorläufige Eigenverwaltung angeordnet
  3. Mai 2026
    Gutachten des Sachwalters vorgelegt
  4. Juni 2026
    Insolvenzverfahren eröffnet, Eigenverwaltung angeordnet
  5. August 2026
    Gläubigerversammlung: Konzept zu 100 % angenommen

Ausgangslage

Ein DeepTech-Unternehmen aus Leipzig hatte über Jahre eine weltweit einzigartige Mikroemulsions-Technologieplattform entwickelt. Auf dieser Basis stellt es nachhaltige Hochleistungs-Reinigungsfluide her, die in industriellen Prozessen toxische, gesundheits- und umweltschädliche Lösemittel ersetzen.

Der Hauptsitz mit der Forschung und Entwicklung liegt in Leipzig, die industrielle Produktion an einem mitteldeutschen Chemiestandort, hinzu kommt eine Repräsentanz in Asien. Zu den Referenzkunden zählen namhafte Konzerne aus der Elektronik- und Halbleiterindustrie sowie der Chemie.

Das Unternehmen ging aus einer 2006 gegründeten Gesellschaft hervor und war über viele Jahre als Technologie-Startup am Markt. Die technologische Substanz und das Marktpotenzial waren erheblich, das strategische Interesse großer Industrieunternehmen bestand durchgehend.

Dennoch geriet das Unternehmen in einen akuten Liquiditätsengpass. Die Krise entstand nicht durch fehlende Nachfrage, sondern durch die Finanzierungslogik eines forschungsintensiven Technologieunternehmens.

Herausforderung

Als forschungsintensives DeepTech-Unternehmen musste über Jahre erheblich in Entwicklung, Industrialisierung und Schutzrechte investiert werden, bevor die Technologie Umsätze in der Breite tragen konnte.

Erschwerend kommt hinzu, dass neue Reinigungstechnologien in industriellen Produktionsprozessen lange Qualifizierungs- und Freigabeverfahren durchlaufen — insbesondere in der Elektronik- und Halbleiterindustrie. Zwischen technologischer Reife und der Skalierung der Umsätze liegen dadurch lange Vorlaufzeiten.

Parallel verschob sich das internationale Investitionsklima innerhalb kurzer Zeit erheblich. Vor allem in den USA floss das Kapital weg von nachhaltigen „Green-Tech“-Innovationen hin zu künstlicher Intelligenz und Anwendungen mit militärischem Bezug. Die erforderliche Anschlussfinanzierung ließ sich deshalb nicht im geplanten Umfang realisieren.

Zwei weitere Punkte prägten den Fall: Die investitionsbereiten Kapitalgeber kamen aus den USA und Großbritannien — Rechtsräumen, die das deutsche Rechtsinstitut des Insolvenzplans nicht kennen und einen für sie sichereren, vertrauten Weg gehen wollten. Und: Das Unternehmen wurde nach über fünf Jahren noch immer als „Startup“ wahrgenommen — ein Status, der Investoren mit zunehmender Dauer misstrauisch macht. Die Story und der Rechtsträger mussten erneuert werden.

Lösung

In der vorläufigen Eigenverwaltung hatte die Stabilisierung des laufenden Geschäftsbetriebs oberste Priorität. Die Lieferfähigkeit gegenüber den Industriekunden blieb durchgehend gewahrt, laufende Kundenprojekte wurden ohne Unterbrechung fortgeführt.

Zur Sicherung der Liquidität wurden von privaten Investoren drei Masse- beziehungsweise DIP-Darlehen im Gesamtvolumen von 500.000 € eingeworben. Diese Mittel bildeten die finanzielle Brücke bis zur Gläubigerversammlung.

Über einen strukturierten, international ausgerichteten Investorenprozess wurden zahlreiche strategische und Finanzinvestoren angesprochen, ein Datenraum eingerichtet und Due-Diligence-Prüfungen durchgeführt. Ergänzend wurden eigene Gespräche mit bestehenden Investoren und Industriepartnern geführt, um die Transaktionssicherheit zu erhöhen und keine einseitige Abhängigkeit von einem Bieter entstehen zu lassen.

Die entscheidende strategische Weichenstellung: Statt einer Fortführung im bestehenden Rechtsträger über einen Insolvenzplan wurde eine übertragende Sanierung gewählt. Die betriebsnotwendigen Vermögenswerte werden auf eine neu gegründete Erwerbergesellschaft übertragen, die von den Investoren getragen wird und an der wesentliche Mitglieder des bisherigen Managements beteiligt sind.

Dafür sprachen zwei Gründe: Die internationalen Investoren aus den USA und Großbritannien kannten den Insolvenzplan nicht und wollten eine rechtlich sichere, ihnen vertraute Struktur. Und das überalterte „Startup“-Etikett ließ sich so abstreifen — das Geschäft startet in einer frisch gegründeten, schuldenfreien Gesellschaft mit einer neuen Story.

Der Unternehmenskaufvertrag sieht zugunsten sämtlicher Gläubiger einen Besserungsschein vor, über den sie an der künftigen positiven Entwicklung partizipieren. Die Finanzierung der Erwerbergesellschaft kombiniert Eigenkapital, Fremdkapital und öffentliche Fördermittel. Die beiden deutschen Standorte und alle Arbeitsplätze bleiben erhalten.

Ergebnis

Am Amtsgericht Leipzig fand die Gläubigerversammlung statt. Die Gläubiger stimmten dem Sanierungskonzept — der übertragenden Sanierung — zu 100 % zu.

Das alte Unternehmen wird an die von den Investoren gegründete neue Gesellschaft verkauft. Der operative Geschäftsbetrieb, die Kundenbeziehungen, die Technologieentwicklung sowie die Standorte in Leipzig und am Chemiestandort werden unverändert fortgeführt.

Im Vergleich der Verwertungsszenarien war die Entscheidung eindeutig: Eine Liquidation hätte zu einem negativen Ergebnis geführt — keine Quote, sondern das Risiko einer Masseunzulänglichkeit. Ein Insolvenzplan hätte lediglich rund 3,6 % erbracht. Die übertragende Sanierung führt über Kaufpreis und Besserungsschein zu einer voraussichtlichen Quote in einer Bandbreite von 10 % bis 90 %.

Alle Altlasten sind erledigt. Das Unternehmen startet in einer neuen, schuldenfrei gegründeten Gesellschaft — mit hervorragenden Produkten und einer hervorragenden Perspektive — in die Zukunft.

Was diesen Fall besonders gemacht hat

Die eigentliche Aufgabe war nicht allein die Entschuldung.

Entscheidend war ein Weg, dem internationale Investoren vertrauen — und ein Neustart ohne das alte Startup-Etikett.

Nicht jede Sanierung führt über den Insolvenzplan. Hier trafen zwei Anforderungen zusammen: eine Struktur, der internationale Investoren aus dem angloamerikanischen Rechtsraum vertrauen — und ein sauberer Schnitt mit dem „Startup“-Etikett, das nach über fünf Jahren begonnen hatte, Kapitalgeber abzuschrecken.

Die übertragende Sanierung auf eine neu gegründete, schuldenfreie Gesellschaft löste beides zugleich: Sie gab den Investoren einen vertrauten, sicheren Weg und dem Unternehmen eine neue Story — bei vollständigem Erhalt der technologischen Substanz, der Standorte und der Arbeitsplätze.

Faktenbox

Verfahren
Eigenverwaltung mit übertragender Sanierung (Asset Deal)
Branche
DeepTech / nachhaltige Industriereinigung (Chemie)
Standorte
Leipzig (Hauptsitz & F&E), Chemiepark (Produktion), Repräsentanz in Asien
Haftungskapital
rund 2,0 Mio. €
Zwischenfinanzierung
500.000 € Masse- / DIP-Darlehen
Zustimmung
100 % der Gläubiger
Quote
10 % – 90 % über Kaufpreis und Besserungsschein
Ergebnis
Übertragung auf eine neu gegründete, schuldenfreie Gesellschaft — alle Standorte und Arbeitsplätze erhalten
Vertrauliches Erstgespräch

Nicht jede Krise erfordert eine Insolvenz.

Oft bestehen mehr Handlungsmöglichkeiten, als Unternehmer zunächst vermuten. In einem vertraulichen Gespräch analysiere ich Ihre Situation und zeige Ihnen auf, welche Sanierungsinstrumente realistisch zur Verfügung stehen.

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