Zerstrittene Gesellschafter. Per Kapitalschnitt gelöst.
Sanierung einer Spezialspedition für Glas- und Getränkelogistik in Eigenverwaltung — die destruktiven Mitgesellschafter wurden über einen Kapitalschnitt im Insolvenzplan herausgelöst.
Verlauf des Verfahrens
- Beste ZeitenÜbernahme der kleinen Spedition mit zwei Partnern
- Kurz daraufDestruktives Verhalten der Mitgesellschafter
- Frühjahr 2025Antrag auf Eigenverwaltung nach § 270a InsO
- April 2025Vorläufige Eigenverwaltung, Sachwalter bestellt
- Juli 2025Eröffnung des Hauptverfahrens
- September 2025Gläubigerversammlung, Kapitalschnitt im Plan
Ausgangslage
Ein erfahrener Unternehmer führte erfolgreich eine größere Spedition. In wirtschaftlich besten Zeiten ließ er sich dazu überreden, gemeinsam mit zwei Geschäftspartnern eine weitere, kleinere Spezialspedition zu übernehmen — einen Anbieter hochwertiger Transportlösungen für empfindliche Baustoffe, insbesondere Glasprodukte, mit einem auf Mitnahmestapler spezialisierten Fuhrpark.
Die drei Partner hielten jeweils ein Drittel der Anteile, der Mandant war zugleich Geschäftsführer. Was als sinnvolle strategische Erweiterung gedacht war, entwickelte sich schnell zur Belastung.
Schon kurz nach der Übernahme zeigte sich, dass die beiden Mitgesellschafter sich destruktiv verhielten. Insbesondere einer von ihnen war allein auf seinen eigenen Vorteil bedacht und versuchte mit allen Mitteln, möglichst viel Geld aus der Gesellschaft zu ziehen.
Hinzu kamen hausgemachte Probleme der übernommenen Gesellschaft: eine unzureichende kaufmännische Steuerung, fehlende Transparenz im Berichtswesen, verlustträchtige Verträge sowie steigende Kraftstoff- und Personalkosten. Das Arbeitsumfeld wurde unerträglich — und die übernommene Spedition wurde zur Gefahr für das eigentliche, gesunde Unternehmen des Mandanten.
Herausforderung
Die eigentliche Herausforderung war kein betriebswirtschaftliches, sondern ein gesellschaftsrechtliches Problem: Solange die beiden zerstrittenen Mitgesellschafter an Bord blieben, war eine geordnete Sanierung unmöglich.
Außerhalb eines Insolvenzverfahrens lassen sich Gesellschafter gegen ihren Willen kaum aus einer Gesellschaft drängen. Der aggressive Mitgesellschafter blockierte, zog Liquidität ab und nutzte jede Gelegenheit, das Unternehmen für seine Zwecke zu instrumentalisieren.
Zugleich drohte die Krise der kleinen Spedition auf die gesamte Unternehmensgruppe des Mandanten überzugreifen. Es galt also, die übernommene Gesellschaft zu sanieren und gleichzeitig die destruktiven Gesellschafter rechtssicher zu entfernen — ohne dabei den laufenden Betrieb, die Fahrer und die Kundenbeziehungen zu verlieren.
Lösung
Der Weg führte über die Insolvenz in Eigenverwaltung — bewusst gewählt, um die zerstrittenen Mitgesellschafter mithilfe eines Kapitalschnitts im Insolvenzplan herauszulösen.
Nach dem Antrag ordnete das Insolvenzgericht die vorläufige Eigenverwaltung nach § 270a InsO an und bestellte einen vorläufigen Sachwalter. Der Mandant behielt als Geschäftsführer die Verantwortung und führte den Betrieb in enger Abstimmung mit Sachwalter und Sanierungsberatung fort.
Parallel wurde das Unternehmen operativ saniert: Der Fuhrpark wurde um vier Zugmaschinen verkleinert und nicht ausgelastete Fahrerstellen abgebaut, verlustträchtige Verträge beendet, die Liquidität über ein optimiertes Factoring und ein Massedarlehen gesichert und ein belastbares Controlling mit täglichen Umsatz- und Kostenberichten aufgebaut.
Das Verfahren verlief alles andere als ruhig. Aufgrund der Streitigkeiten zwischen den Gesellschaftern wurde viel schmutzige Wäsche gewaschen. Der Mandant wurde regelrecht körperlich bedroht. In den Gläubigerversammlungen ging es hoch her, und der aggressive Gesellschafter versuchte, möglichst viele Beteiligte gegen den Mandanten aufzuwiegeln — insbesondere wollte er die Fahrer abspenstig machen.
Diese Versuche scheiterten. Die Fahrer hielten zum Mandanten, und der Insolvenzplan setzte sich durch. Über den Kapitalschnitt wurden die Anteile der beiden Mitgesellschafter eingezogen und neu vergeben.
Ergebnis
Die Sanierung über die Eigenverwaltung gelang. Die beiden destruktiven Gesellschafter wurden im Rahmen des Insolvenzplans herausgelöst — die Geschäftsanteile liegen heute ausschließlich beim Mandanten.
Der Geschäftsbetrieb wurde ohne Unterbrechung fortgeführt, die Fahrer und die wesentlichen Kundenbeziehungen blieben erhalten. Die Spezialspedition ist von ihren Altschulden und vom internen Konflikt befreit.
Der Mandant richtet das Unternehmen nun Schritt für Schritt wieder auf und integriert es in seine bestehende, erfolgreiche Unternehmensgruppe.
Der Fall zeigt zugleich, wie eine einzige unbedachte Entscheidung — die Beteiligung an einer fremden Gesellschaft mit den falschen Partnern — eine ganze Unternehmensgruppe mit gesunden Betrieben in Gefahr bringen kann. Und er zeigt, dass die Eigenverwaltung mit Insolvenzplan ein wirksames Instrument ist, um genau solche festgefahrenen Gesellschafterkonflikte zu lösen.
Was diesen Fall besonders gemacht hat
Die eigentliche Herausforderung war kein Zahlenproblem.
Es galt, einen eskalierten Gesellschafterkonflikt aufzulösen.
Dieser Fall war kein klassisches Sanierungsverfahren, sondern ein eskalierter Gesellschafterkonflikt. Der aggressive Mitgesellschafter zog Geld aus der Gesellschaft, bedrohte den Mandanten körperlich und versuchte in den Gläubigerversammlungen, die Belegschaft — insbesondere die Fahrer — gegen ihn aufzuwiegeln.
Dass die Fahrer dennoch zum Mandanten hielten und die Sanierung gelang, war die eigentliche Leistung. Die Eigenverwaltung lieferte das entscheidende Instrument: Über den Kapitalschnitt im Insolvenzplan ließen sich die zerstrittenen Gesellschafter rechtssicher entfernen — etwas, das außerhalb eines Insolvenzverfahrens kaum möglich gewesen wäre.
Faktenbox
- Verfahren
- Eigenverwaltung nach § 270a InsO mit Insolvenzplan
- Branche
- Spezialspedition (Glas-, Baustoff- und Getränkelogistik)
- Fuhrpark
- Reduzierung um vier Zugmaschinen
- Garantierte Quote
- 4,0 %
- Sonderzahlung
- 150.000 € durch Plangaranten
- Besonderheit
- Herauslösung der Mitgesellschafter über Kapitalschnitt
- Schlüsselfaktor
- Fahrer und Kunden trotz offenem Konflikt gehalten
- Ergebnis
- Mandant alleiniger Gesellschafter, Unternehmen saniert
Nicht jede Krise erfordert eine Insolvenz.
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