Zurück in die Garage. Ein Startup, erfolgreich saniert.
Sanierung einer Potsdamer Softwareschmiede für digitale Botanik in Eigenverwaltung — mit dem ersten Kapitalschnitt in einem Insolvenzplan überhaupt.
Verlauf des Verfahrens
- WachstumsphaseInternationale Anerkennung, zu schnelles Wachstum
- KriseLiquidität aufgebraucht — das Geld geht aus
- AntragInsolvenz in Eigenverwaltung beantragt
- Sanierung„Zurück in die Garage" — Kostenstruktur verschlankt
- AbstimmungsterminKapitalschnitt im Insolvenzplan, Widerstand der Förderbank
- BeschwerdeBeschwerde am LG Potsdam abgewiesen, Plan bestätigt
Ausgangslage
Eine kleine Softwareschmiede aus Potsdam hatte sich auf digitale Botanik spezialisiert: fotorealistisches 3D-Laub und virtuelle Pflanzenwelten für Videospiele, Filmproduktionen und Architekturvisualisierungen. Mit dieser Nische erlangte das junge Unternehmen internationale Anerkennung — bis hin zu Aufmerksamkeit aus dem Silicon Valley.
Technologisch war das Startup ein Vorreiter. Wirtschaftlich jedoch geriet es in Schieflage. Der Grund lag nicht in fehlender Nachfrage, sondern in zu viel Optimismus.
Mit dem Geld von Investoren und Förderbanken hatten sich die jungen Gründer ein zu großes Büro und weiteren Luxus gegönnt — in der Erwartung, dass das schnelle Wachstum des Silicon Valley auch in Brandenburg gelingen würde.
Doch Potsdam ist nicht das Silicon Valley. Die Fördergelder flossen weniger üppig als erhofft, die Umsätze blieben hinter den ambitionierten Planungen zurück. Irgendwann ging dem Unternehmen schlicht das Geld aus.
Herausforderung
Die zentrale Aufgabe war, ein technologisch wertvolles, aber strukturell zu teures Unternehmen wieder auf eine tragfähige Basis zu stellen — ohne die Substanz zu zerstören, die seinen Wert ausmachte.
Die eigentliche juristische Herausforderung lag jedoch in der Gesellschafterstruktur. Das Unternehmen sollte saniert und fortgeführt werden. Doch solange die Förderbank als Gesellschafterin beteiligt blieb, war ein echter Neustart mit den Gründern an der Spitze nicht möglich.
Die Lösung lag in einem Instrument, das es bis dahin in dieser Form noch nicht gegeben hatte: einem Kapitalschnitt innerhalb des Insolvenzplans. Dies war der allererste Kapitalschnitt in einem Insolvenzplan überhaupt — juristisches Neuland.
Lösung
Das Leitmotiv des gesamten Verfahrens lautete: „Zurück in die Garage." Ein Grundsatz, den ich Startups bis heute empfehle.
Es bedeutet, sich auf die eigenen Ursprünge zu besinnen und nur noch für das Geld auszugeben, was absolut notwendig ist. Genau das setzten wir konsequent um: Das aufgeblähte Büro wurde aufgegeben, die Kostenstruktur radikal verschlankt und der Geschäftsbetrieb auf ein bezahlbares, tragfähiges Maß zurückgeführt.
Kern des Sanierungskonzepts war der Kapitalschnitt im Insolvenzplan. Die bestehenden Gesellschaftsanteile wurden auf null herabgesetzt und das Stammkapital anschließend neu eingelegt. Auf diesem Weg wurde die Brandenburger Förderbank als Gesellschafterin ausgeschieden und die beiden Gründer wurden als Gesellschafter eingesetzt.
Damit erhielten die Unternehmer ihr Werk zurück — und die Grundlage, das Unternehmen aus eigener Kraft und mit voller unternehmerischer Verantwortung fortzuführen.
Ergebnis
Der Kapitalschnitt führte erwartungsgemäß zu erheblichem Widerstand. Die Förderbank fuhr im Abstimmungstermin über den Insolvenzplan mit schwerem Geschütz auf und legte anschließend Beschwerde beim Landgericht Potsdam ein.
Doch der Insolvenzplan hielt allen rechtlichen Prüfungen stand. Die Beschwerde der Förderbank wurde abgewiesen, der Plan rechtskräftig bestätigt.
Das Unternehmen wurde erfolgreich saniert, auf eine bezahlbare Struktur zurückgeführt und mit den Gründern als Gesellschaftern in die Zukunft geführt.
Bis heute ist dieses Verfahren die Vorlage für viele weitere Sanierungen von Startups über die Insolvenz in Eigenverwaltung. Geht einem Startup das Geld aus, muss das nicht das Ende bedeuten — sondern kann der Beginn eines disziplinierten Neuanfangs sein.
Was diesen Fall besonders gemacht hat
Der erste Kapitalschnitt in einem Insolvenzplan überhaupt.
Bis heute Vorlage für die Sanierung von Startups.
Die besondere Herausforderung war, dass dies der allererste Kapitalschnitt in einem Insolvenzplan war. Über diesen Kapitalschnitt habe ich die Brandenburger Förderbank als Gesellschafterin entfernt und stattdessen die beiden Unternehmer als Gesellschafter eingesetzt.
Das führte naturgemäß zu erheblichem Widerstand. Die Förderbank fuhr im Abstimmungstermin mit schwerem Geschütz auf und legte Beschwerde beim Landgericht Potsdam ein. Doch es half nichts: Mein Insolvenzplan hielt allen rechtlichen Prüfungen stand, die Beschwerde wurde abgewiesen.
Dieses Verfahren ist noch immer die Vorlage für viele weitere Sanierungsverfahren von Startups in Eigenverwaltung. Mein Rat an junge Unternehmen, denen das Geld ausgeht, lautet bis heute: zurück in die Garage. Auf die Ursprünge besinnen, nur das Notwendige ausgeben — und den Betrieb wieder bezahlbar machen.
Faktenbox
- Verfahren
- Eigenverwaltung mit Insolvenzplan
- Branche
- Software / digitale Botanik (3D-Pflanzen für Games, Film, Architektur)
- Standort
- Potsdam
- Unternehmensform
- Startup
- Besonderheit
- Erster Kapitalschnitt in einem Insolvenzplan überhaupt
- Gesellschafterwechsel
- Förderbank ausgeschieden, Gründer eingesetzt
- Rechtsmittel
- Beschwerde der Förderbank am LG Potsdam abgewiesen
- Ergebnis
- Sanierung und Fortführung — bis heute Vorlage für Startup-Verfahren
Nicht jede Krise erfordert eine Insolvenz.
Oft bestehen mehr Handlungsmöglichkeiten, als Unternehmer zunächst vermuten. In einem vertraulichen Gespräch analysieren wir Ihre Situation und zeigen auf, welche Sanierungsinstrumente realistisch zur Verfügung stehen.
Vertrauliches Erstgespräch vereinbaren