Profisport-Club. 3.000 € auf dem Konto. Trotzdem saniert.
Sanierung eines noch jungen Berliner Profisport-Clubs in Eigenverwaltung mit Insolvenzplan — bei extrem knapper Liquidität, Investorensuche im laufenden Verfahren und gesellschaftsrechtlicher Neuordnung.
Verlauf des Verfahrens
- 2021Gründung des Clubs
- Juli 2024Ausfall der Geschäftsführung, Beginn der Krise
- Q4 2024Austausch des Managements, erste Stabilisierung
- 30.04.2025Antrag auf Eigenverwaltung
- 01.07.2025Eröffnung des Verfahrens in Eigenverwaltung
- 2026Insolvenzplan angenommen und rechtskräftig
Ausgangslage
Ein erst wenige Jahre zuvor gegründeter Berliner Profisport-Club hatte sich vorgenommen, seine Sportart dauerhaft in der Hauptstadt zu etablieren. Neben dem reinen Spielbetrieb umfasste das Geschäft den Aufbau einer eigenständigen Marke, Sponsoring- und Medienpartnerschaften, Merchandising sowie medienwirksame Events — mit einer Community von mehr als 35.000 Followern.
Wirtschaftlich blieb das Unternehmen jedoch ein Startup. Der Geschäftsbetrieb erwirtschaftete noch nicht die Umsätze, die zur Eigenfinanzierung nötig gewesen wären. Im Geschäftsjahr 2024 standen Umsatzerlösen von rund 132.000 € Gesamtkosten von über 1,09 Mio. € gegenüber — ein negatives Jahresergebnis von rund 948.000 €.
Verschärft wurde die Lage durch den krankheitsbedingten Ausfall der damaligen Geschäftsführung. In der Folge gerieten Rechnungslegung, Liquiditätsplanung und Partnerkommunikation aus dem Takt, offene Verbindlichkeiten wurden zu spät erkannt und ein Standortwechsel verursachte unterschätzte Mehrkosten.
Trotz einer professionell aufgestellten Marke und einer loyalen Fanbasis war die Fortführung unter den bestehenden Rahmenbedingungen wirtschaftlich nicht mehr tragfähig.
Herausforderung
Die zentrale Herausforderung war ungewöhnlich: Das Unternehmen musste während des laufenden Insolvenzverfahrens fortlaufend frisches Investorenkapital einwerben, um den Spielbetrieb überhaupt aufrechtzuerhalten.
Genau das ist in der Insolvenz besonders schwer. Die häufigste Reaktion potenzieller Geldgeber lautete: „Kommen Sie wieder, wenn das Verfahren beendet ist — dann beteiligen wir uns." Doch ohne Kapital während des Verfahrens hätte das Unternehmen das Verfahrensende nie erreicht.
Hinzu kam ein tiefgreifender Konflikt zwischen den bestehenden Gesellschaftern, der eine klare strategische Ausrichtung blockierte.
Und schließlich stand der Club in der Öffentlichkeit. Der Abstimmungstermin über den Insolvenzplan wurde dadurch zu einer emotional aufgeladenen Bühne, auf der das Management auch mit scharfer Kritik rechnen musste.
Lösung
In der Eigenverwaltung wurde ein Sanierungskonzept umgesetzt, das den Spielbetrieb sicherte und zugleich die Strukturen grundlegend neu ordnete.
Die tragende Säule war die laufende Kapitalzuführung: Über das Verfahren hinweg wurden dem Unternehmen durch Investoren und Unterstützer Einlagen von insgesamt rund 921.000 € zugeführt. Ohne diese Mittel wäre der Betrieb bereits im Sommer 2025 zum Erliegen gekommen. Das Kapital wurde im Vertrauen darauf erbracht, dass die Investoren über einen Kapitalschnitt im Insolvenzplan eine Gesellschafterstellung erwerben.
Operativ wurde die Organisation gestrafft, das Management ausgetauscht, die Budgetstruktur auf realistische Einnahmeerwartungen umgestellt und die Sponsorenakquise intensiviert. Neue Partner kamen hinzu, Reisekosten wurden gesenkt und der Fokus konsequent auf das Kerngeschäft gelegt.
Den Gesellschafterkonflikt lösten wir, indem im Rahmen des Insolvenzplans sämtliche Altgesellschafter ausgetauscht und die Investoren zu neuen Gesellschaftern gemacht wurden. Das beseitigte nicht nur die Blockade, sondern motivierte die Geldgeber zusätzlich, in ihr eigenes Unternehmen zu investieren.
Ein strukturierter Investorenprozess (Dual Track) schied aus: Es fehlte an werthaltigen, übertragbaren Vermögenswerten und an einem dauerhaft gesicherten Trainingsgelände. Die Sanierung war realistisch nur über einen Insolvenzplan mit gesellschaftsrechtlicher Neuordnung möglich.
Ergebnis
Der Insolvenzplan wurde von den Gläubigern angenommen und rechtskräftig. Erst damit konnten die zugesagten Investorengelder fließen und das Unternehmen langfristig durchfinanziert werden.
Der Plan sieht eine Sonderzahlung der Investoren als Plangarant vor. Daraus stehen nach Abzug der Verfahrenskosten 75.000 € für die quotale Befriedigung der Gläubiger zur Verfügung — eine garantierte Quote von 5 %.
Die Vergleichsrechnung belegte, dass dies für die Gläubiger die bestmögliche Lösung war: Sowohl eine übertragende Sanierung als auch eine Liquidation hätten keinerlei verteilbare Masse erbracht. Der Insolvenzplan war das einzige Szenario, in dem die Gläubiger überhaupt mit einer Befriedigung rechnen konnten.
Der Spielbetrieb wurde während des gesamten Verfahrens ohne Unterbrechung fortgeführt. Das Unternehmen ist heute gesellschaftsrechtlich neu geordnet, mit verbindlich zugesagtem Investorenkapital ausgestattet und kann seine sportliche Perspektive in einer neuen Liga verfolgen.
Was diesen Fall besonders gemacht hat
Saniert wird normalerweise ein Geschäftsmodell, das sich selbst trägt.
Hier mussten wir die Finanzierung mitten im Verfahren erst gewinnen.
Die größte Herausforderung war, das Vertrauen der Investoren mitten im Insolvenzverfahren zu gewinnen. Die häufigste Ausrede lautete: „Kommen Sie wieder, wenn das Verfahren beendet ist." Aber wie soll ein Unternehmen ohne Geld bis dahin überleben? So haben wir uns durch das gesamte Verfahren geschleppt — die Mittel waren extrem knapp.
Als über den Insolvenzplan abgestimmt wurde, hatten wir gerade einmal 3.000 € auf dem Konto. Das ist völlig ungewöhnlich. Aber es war unsere einzige Chance. Nachdem der Plan angenommen und rechtskräftig war, konnten die versprochenen Investorengelder fließen.
Herausfordernd waren außerdem die Streitigkeiten zwischen den Gesellschaftern. Wir haben sie gelöst, indem wir schlicht sämtliche Gesellschafter ausgetauscht und die Investoren zu Gesellschaftern gemacht haben. Das motiviert sie zusätzlich, in ihr eigenes Unternehmen zu investieren.
Weil der Club in der Öffentlichkeit steht, war der Abstimmungstermin entsprechend aufwändig. Stundenlang wurde diskutiert, es fielen harte Worte gegen das Management. Aber am Ende setzte sich die Vernunft durch — und wir konnten die Gläubiger vom Insolvenzplan überzeugen.
Faktenbox
- Verfahren
- Eigenverwaltung mit Insolvenzplan
- Branche
- Profisport / Sportunternehmen
- Unternehmensalter
- Startup, wenige Jahre nach Gründung
- Antragstellung
- 30.04.2025
- Planabstimmung
- 2026
- Kapitalzuführung im Verfahren
- ca. 921.000 €
- Garantierte Quote
- 5 % (75.000 € Verteilungsbetrag)
- Besonderheit
- Investorensuche im laufenden Verfahren und vollständiger Gesellschaftertausch
- Ergebnis
- Fortführung des Spielbetriebs und langfristige Durchfinanzierung
Nicht jede Krise erfordert eine Insolvenz.
Oft bestehen mehr Handlungsmöglichkeiten, als Unternehmer zunächst vermuten. In einem vertraulichen Gespräch analysieren wir Ihre Situation und zeigen auf, welche Sanierungsinstrumente realistisch zur Verfügung stehen.
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