Ein Auftraggeber weg. Der Betrieb gerettet.
Sanierung eines familiengeführten Paket- und Logistikbetriebs aus dem Großraum Nürnberg in Eigenverwaltung mit Insolvenzplan — nach dem plötzlichen Wegfall eines systemrelevanten Großkunden.
Verlauf des Verfahrens
- Ende 2023Systemrelevanter Hauptkunde kündigt Strukturwechsel an
- Februar 2024Eigenverwaltung beantragt (§ 270a InsO)
- April 2024Verfahren eröffnet, Betrieb verschlankt
- Juni 2024Gläubigerversammlung
- 2024Insolvenzplan angenommen, Verfahren abgeschlossen
Ausgangslage
Ein mittelständischer Paket- und Logistikdienstleister aus dem Großraum Nürnberg hatte sich auf bundesweite Paketzustellung, regionalen Güterverkehr sowie Express- und Sonderfahrten spezialisiert. Zu den Auftraggebern zählten namhafte Speditionen und Kurierdienste.
Es war ein klassischer Familienbetrieb. Der geschäftsführende Unternehmer kümmerte sich um den Fuhrpark und die Akquise der Auftraggeber, seine Frau verantwortete Buchhaltung und Personal. Über Jahre funktionierte diese Rollenteilung zuverlässig.
Das Geschäftsmodell war grundsätzlich tragfähig — bis ein einzelnes Ereignis die Statik des gesamten Betriebs ins Wanken brachte.
Herausforderung
Zum Jahreswechsel änderte ein systemrelevanter Hauptkunde kurzfristig seine Transportstruktur. Von heute auf morgen fiel damit ein erheblicher Teil der Umsätze weg — fast die Hälfte des Geschäfts.
Ein Auftragsverlust dieser Größenordnung lässt sich in einem konjunkturell schwachen Markt nicht kurzfristig durch neue Kunden ausgleichen. Fahrzeuge und Personal mussten zunächst weiter vorgehalten werden, während die Einnahmen einbrachen. Die Zahlungsunfähigkeit rückte näher.
Die eigentliche Herausforderung lag jedoch weniger in den Zahlen als im Kopf des Unternehmers. Er war getrieben, tatkräftig und wollte handeln — am liebsten sofort ein neues Unternehmen gründen und den Betrieb darin weiterführen.
Diese Idee hatte einen verständlichen Reiz: Ein neues Unternehmen startet mit sauberer Bonität. Sie barg jedoch erhebliche Gefahren, die zunächst unsichtbar bleiben.
Lösung
In zahlreichen Gesprächen musste der Unternehmer immer wieder vom Sinn der Eigenverwaltung überzeugt werden — und davon, die verlockende Neugründung gerade nicht zu verfolgen.
Denn eine Übertragung des Geschäftsbetriebs auf eine neue Gesellschaft hätte zur Folge gehabt, dass der alte Betrieb in einer Regelinsolvenz abgewickelt wird. Der dann bestellte Insolvenzverwalter geht mit dem Geschäftsführer erfahrungsgemäß deutlich weniger zimperlich um als es bei einer Eigenverwaltung der Fall ist — mit realen Haftungs- und Anfechtungsrisiken für den Unternehmer persönlich.
Der bessere Weg war, das bestehende Unternehmen in Eigenverwaltung zu erhalten und konsequent an das kleinere Auftragsvolumen anzupassen. Der Betrieb wurde um rund zwei Drittel verkleinert — bei Mitarbeitern wie bei Fahrzeugen.
Alle Fahrer wurden aktiv an bekannte Speditionen vermittelt, wodurch sich Kündigungsschutzklagen vermeiden ließen. Nicht mehr benötigte, finanzierte und geleaste Fahrzeuge wurden in Abstimmung mit den Banken und Leasinggebern zurückgegeben, verbleibende gegen ein Nutzungsentgelt weitergenutzt.
Das Verfahren selbst verlief ruhig und geordnet. Kassenführung und wöchentliche Liquiditätsplanung blieben bei der Geschäftsführung, wurden aber laufend mit dem Sachwalter abgestimmt.
Ergebnis
Das Eigenverwaltungsverfahren wurde erfolgreich mit einem Insolvenzplan abgeschlossen.
Die Gläubiger stimmten dem Insolvenzplan am Ende zu und verzichteten auf 92 Prozent ihrer Forderungen. Die garantierte Quote von 8 Prozent ist ein ordentliches, im Durchschnitt überdurchschnittliches Ergebnis.
Der auf eine tragfähige Größe zurückgeführte Betrieb — rund 15 Mitarbeiter und 17 Fahrzeuge — erwirtschaftet wieder positive Betriebsergebnisse und finanziert seinen laufenden Betrieb aus eigener Kraft, ohne neues Fremdkapital.
Der Geschäftsbetrieb wird langfristig fortgeführt. Aus einem Unternehmen, dem der wichtigste Kunde weggebrochen war, wurde ein schlankerer, widerstandsfähigerer Logistikdienstleister.
Was diesen Fall besonders gemacht hat
Der schnellste Weg war nicht der sicherste.
Manchmal ist die beste Beratung, jemanden zu bremsen.
Der Unternehmer wollte handeln — und dachte an eine schnelle Neugründung mit sauberer Bonität. Genau das wäre der gefährlichere Weg gewesen: Die Übertragung auf eine neue Gesellschaft hätte die Abwicklung des alten Betriebs in einer Regelinsolvenz bedeutet, mit einem Insolvenzverwalter, der die persönliche Haftung des Geschäftsführers weit strenger prüft.
Manchmal besteht die wichtigste Beratungsleistung nicht darin, etwas zu tun, sondern darin, den Mandanten von einem verlockenden, aber riskanten Schritt abzuhalten.
Faktenbox
- Verfahren
- Eigenverwaltung mit Insolvenzplan (§ 270a InsO)
- Gericht
- Amtsgericht Nürnberg
- Branche
- Spedition / Logistik — Paketzustellung und Güterverkehr
- Struktur
- Familiengeführter Betrieb
- Krisenursache
- Plötzlicher Wegfall eines systemrelevanten Großkunden
- Beschäftigte
- auf ca. 15 Mitarbeiter / 17 Fahrzeuge zurückgeführt
- Garantierte Quote
- 8,0 % — Forderungsverzicht der Gläubiger von 92 %
- Ergebnis
- Langfristige Fortführung des Geschäftsbetriebs
Nicht jede Krise erfordert eine Insolvenz.
Oft bestehen mehr Handlungsmöglichkeiten, als Unternehmer zunächst vermuten. In einem vertraulichen Gespräch analysieren wir Ihre Situation und zeigen auf, welche Sanierungsinstrumente realistisch zur Verfügung stehen.
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