Jörg Franzke
Fallstudie · Mode

Ein kleines Label. Pro bono gerettet.

Sanierung eines kleinen Premium-Modelabels für Damenhosen in Eigenverwaltung — möglich erst durch ein Pro-bono-Engagement und minimierte Verfahrenskosten.

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Pro bono
Sanierungsberatung ohne Honorar
Minimal
Sachwalterkosten begrenzt
Zu klein?
trotzdem erfolgreich saniert
Fortführung
Label erhalten

Verlauf des Verfahrens

  1. 2021–2024
    Umsatzeinbruch und wachsende Verluste
  2. Dezember 2024
    Antrag auf vorläufige Eigenverwaltung nach § 270a InsO
  3. Februar 2025
    Eröffnung des Verfahrens, Eigenverwaltung angeordnet
  4. April 2025
    Gläubigerversammlung und Sanierungsmaßnahmen
  5. 2025/2026
    Insolvenzplan, Unternehmen saniert

Ausgangslage

Ein kleines Premium-Modelabel für Damenhosen und Jeans hatte sich über Jahrzehnte einen Namen gemacht — mit handwerklicher Fertigung „Made in Europe", nachhaltigen Materialien und einem klaren Fokus auf das Normalsize- und Plus-Size-Segment. Ursprünglich mit zwei Investoren gegründet, lief das Geschäft zunächst gut.

Es handelte sich um ein sehr kleines Unternehmen: Neben dem Geschäftsführer waren nur eine Handvoll Mitarbeiter beschäftigt.

In die Krise geriet das Label durch eine Kombination aus Managementfehlern und dem wachsenden Druck auf die gesamte Modebranche. Der stationäre Facheinzelhandel — die kleinen Boutiquen, über die das Label vor allem verkaufte — brach weg; ein erheblicher Teil dieser Geschäfte existierte nach der Pandemie nicht mehr.

Zugleich war das Unternehmen strukturell nicht auf den Wandel im Kaufverhalten vorbereitet: Es fehlte an eigener Logistik und an einem entwickelten Online-Vertrieb. Der notwendige Schrumpfungsprozess kam zu langsam voran, die Kostenbasis blieb zu hoch. Am Ende drohte die Zahlungsunfähigkeit.

Herausforderung

Die eigentliche Herausforderung lag nicht in der Sanierung selbst, sondern in einer schlichten wirtschaftlichen Frage: Ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung ist mit erheblichen Kosten verbunden — für die Sanierungsberatung ebenso wie für die Sachwaltung.

Für ein sehr kleines Unternehmen mit nur wenigen Mitarbeitern und geringer Masse standen diese Kosten in keinem Verhältnis. Nüchtern betrachtet war das Label für ein solches Verfahren eigentlich nicht geeignet.

Ein Verkauf oder Investoreneinstieg schied ebenfalls aus: Es gab keine werthaltigen, veräußerbaren Vermögenswerte, und für große strategische Käufer war das Unternehmen schlicht zu klein. Ohne ein Eigenverwaltungsverfahren mit Insolvenzplan hätte am Ende nur die Liquidation gestanden.

Damit stellte sich die Frage, die über das Schicksal des Labels entschied: Wie lässt sich ein Verfahren tragen, dessen Kosten das Unternehmen niemals erwirtschaften könnte?

Lösung

Die Antwort lag nicht in einem juristischen Kniff, sondern in einer persönlichen Entscheidung. Ich habe gesehen, mit welcher Hingabe der Mandant um sein kleines Label kämpfte und wie sehr er in seiner Branche aufging — und ich wollte ihn nicht im Stich lassen.

Deshalb habe ich mich entschieden, dieses Verfahren pro bono zu führen. Auch mit dem Sachwalter habe ich vereinbart, dass er seine Kosten auf ein Minimum begrenzt.

Erst dieser beiderseitige Verzicht machte das Verfahren wirtschaftlich überhaupt darstellbar. Die knappe Masse musste nicht für Beratungs- und Verwaltungskosten aufgezehrt werden, sondern konnte den Gläubigern und der Fortführung zugutekommen.

Auf dieser Grundlage wurde das Unternehmen operativ von Grund auf saniert: die Kollektionen auf die Kernkompetenz Damenhosen gestrafft, der teure Produktionsstandort geschlossen, die Fixkosten gesenkt und der Vertrieb konsequent auf eigene Kanäle und E-Commerce umgestellt. Statt eines aufwendigen Investorenprozesses wurde der Weg über einen Insolvenzplan gewählt, der die Gläubiger besser stellt als jede Zerschlagung.

Ergebnis

Das Unternehmen wurde in Eigenverwaltung erfolgreich saniert und fortgeführt. Der Insolvenzplan sieht eine garantierte Quote für die Gläubiger vor und stellt sie damit besser als eine Liquidation, in der nichts zu verteilen gewesen wäre.

Das verschlankte Label ist heute selbstfinanzierungsfähig — es kommt ohne neues Fremdkapital aus und trägt seinen laufenden Betrieb aus eigener Kraft. Die Spezialisierung auf profitable Kernprodukte und der Ausbau des Online-Geschäfts stärken die Marktposition nachhaltig.

Vor allem aber blieb das Label seinem Gründer erhalten. Aus einem Unternehmen, das eigentlich zu klein für eine Sanierung war, wurde ein fortgeführtes, tragfähiges Modelabel.

Der Mandant ist glücklich — und genau darum ging es.

Was diesen Fall besonders gemacht hat

Dieses Unternehmen war für ein Eigenverwaltungsverfahren eigentlich zu klein.

Ich konnte — und wollte — den Mandanten trotzdem nicht im Stich lassen.

Ein so kleines Unternehmen ist für ein Eigenverwaltungsverfahren wegen der Kosten eigentlich nicht geeignet. Dass es dennoch gelang, lag nicht an einem juristischen Instrument, sondern an einer bewussten Entscheidung: dem Verzicht auf das eigene Honorar und der Vereinbarung mit dem Sachwalter, seine Kosten minimal zu halten.

Es hat eine Weile gedauert — aber das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der Mandant konnte sein Lebenswerk behalten.

Faktenbox

Verfahren
Eigenverwaltung nach § 270a InsO mit Insolvenzplan
Branche
Mode / Premium-Damenhosen (Normal- und Plus-Size)
Unternehmensgröße
Geschäftsführer und wenige Mitarbeiter
Verfahrensdauer
Antrag 12/2024 bis Insolvenzplan 2025/2026
Besonderheit
Pro-bono-Mandat und minimierte Sachwalterkosten
Ausgangslage
Managementfehler und Strukturwandel der Modebranche
Ergebnis
Fortführung und nachhaltige Sanierung des Labels
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