Jörg Franzke
Fallstudie · Modehandel / Maßkonfektion

Vier Standorte. 960.000 € Schulden reduziert. Insolvenz vermieden.

Restrukturierung eines Modeunternehmens mit vier Standorten über ein StaRUG-Verfahren — bei vollständiger Fortführung des Geschäftsbetriebs außerhalb der Insolvenz.

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4
Standorte erhalten
960.000 €
Schulden reduziert
85,15 %
Forderungsverzicht
0
Insolvenzverfahren

Verlauf des Verfahrens

  1. 2020
    Beginn der Beratung zu Liquiditäts- und Finanzierungsfragen
  2. August 2024
    Ausarbeitung des Restrukturierungsplans nach StaRUG
  3. Oktober 2024
    Anzeige des Restrukturierungsvorhabens beim Restrukturierungsgericht
  4. Juli 2025
    Annahme und Bestätigung des Restrukturierungsplans

Ausgangslage

Ein renommiertes Modeunternehmen betrieb vier Standorte in einer deutschen Großstadt und hatte sich auf hochwertige Herrenmode sowie maßgeschneiderte Anzüge spezialisiert.

Über viele Jahre entwickelte sich das Unternehmen erfolgreich. Durch die Eröffnung weiterer Standorte und Investitionen in das Wachstum entstand jedoch eine erhebliche Fremdkapitalbelastung. Besonders ein kostspieliger Mietvertrag an einem Prestige-Standort erwies sich im Nachhinein als wirtschaftliche Fehlentscheidung.

Trotz dieser Belastungen schrieb das Unternehmen bis 2019 schwarze Zahlen. Selbst die COVID-19-Pandemie wurde zunächst erstaunlich gut bewältigt. Staatliche Unterstützungsmaßnahmen und günstige Finanzierungen sorgten dafür, dass laufende Verpflichtungen erfüllt werden konnten.

Die eigentliche Krise begann erst nach der Pandemie.

Materialkosten für Stoffe und Vorprodukte stiegen innerhalb kurzer Zeit um mehr als 30 %. Gleichzeitig erhöhten sich Energie-, Personal- und Betriebskosten deutlich. Um Kunden zurück in die Geschäfte zu holen, investierte das Unternehmen massiv in Marketing, Veranstaltungen und Vertriebsmaßnahmen.

Obwohl diese Aktivitäten zusätzliche Umsätze generierten, reichten sie nicht aus, um die wirtschaftlichen Folgen der gestiegenen Kosten und der hohen Altschulden auszugleichen.

Immer deutlicher zeigte sich, dass nicht das operative Geschäft das Problem war, sondern die finanzielle Last vergangener Entscheidungen.

Herausforderung

Das Unternehmen verfügte weiterhin über eine starke Marke, eine treue Kundschaft und ein funktionierendes Geschäftsmodell.

Die eigentliche Gefahr bestand in der hohen Verschuldung.

Jährlich mussten mehr als 60.000 € für Zins- und Tilgungsleistungen aufgebracht werden. Gleichzeitig verhinderten die bestehenden Verbindlichkeiten dringend notwendige Investitionen in die Weiterentwicklung des Unternehmens.

Hinzu kam eine komplexe Gesellschafterstruktur mit mehreren Investoren. Neue Kapitalgeber waren kaum zu gewinnen, da frisches Kapital zunächst zur Bedienung alter Verbindlichkeiten hätte eingesetzt werden müssen.

Ohne eine grundlegende finanzielle Restrukturierung drohte dem Unternehmen mittelfristig die Zahlungsunfähigkeit.

Entscheidend war die richtige Diagnose

Viele Restrukturierungen scheitern daran, dass Symptome mit Ursachen verwechselt werden.

In diesem Fall waren weder die Produkte noch die Standorte oder die Kundenbeziehungen das Problem. Das Unternehmen erwirtschaftete weiterhin Umsätze und verfügte über eine starke Marktposition.

Die Krise entstand ausschließlich durch Altverbindlichkeiten und eine Kapitalstruktur, die nicht mehr zur wirtschaftlichen Realität passte.

Die eigentliche Aufgabe bestand deshalb nicht darin, das Unternehmen operativ neu zu erfinden, sondern die finanzielle Last vergangener Entscheidungen zu beseitigen.

Lösung

Die Geschäftsführung entschied sich frühzeitig gegen ein Abwarten und für einen strukturierten Sanierungsprozess nach dem Unternehmensstabilisierungs- und Restrukturierungsgesetz (StaRUG).

Ziel war es, die wirtschaftlich nicht mehr tragfähigen Altverbindlichkeiten zu beseitigen und gleichzeitig den Geschäftsbetrieb vollständig außerhalb eines Insolvenzverfahrens fortzuführen.

Im Rahmen des Restrukturierungsplans wurden insbesondere:

  • nicht tragfähige Kreditverbindlichkeiten reduziert
  • Gesellschafterdarlehen erheblich gekürzt
  • kleinere Gläubigerforderungen angepasst
  • die Eigentümerstruktur neu geordnet

Ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts war die gesellschaftsrechtliche Neuaufstellung des Unternehmens. Das bisherige Stammkapital wurde herabgesetzt und anschließend neu gebildet. Die bisherigen Minderheitsgesellschafter schieden aus.

Der geschäftsführende Unternehmer übernahm die Gesellschaft künftig als alleiniger Gesellschafter.

Dadurch entstanden klare Entscheidungsstrukturen und eine deutlich attraktivere Ausgangslage für zukünftige Investoren.

Ergebnis

Nach sechs Monaten konnte der Restrukturierungsplan erfolgreich abgeschlossen werden.

Das Restrukturierungsgericht bestätigte den Plan. Die Insolvenz wurde vollständig vermieden.

Die Gläubiger verzichteten auf 85,15 % ihrer Forderungen. Insgesamt konnten Verbindlichkeiten von rund 960.000 € nachhaltig beseitigt werden.

Besonders bemerkenswert: Auch die KfW als einer der größten Gläubiger unterstützte die Sanierungslösung, da diese wirtschaftlich deutlich vorteilhafter war als ein mögliches Insolvenzverfahren.

Das Unternehmen konnte:

  • sämtliche Standorte erhalten
  • den Geschäftsbetrieb uneingeschränkt fortführen
  • die Öffentlichkeit vollständig aus dem Verfahren heraushalten
  • seine Bonität bewahren
  • neue Investitionsmöglichkeiten schaffen

Heute verfügt das Unternehmen wieder über die finanzielle Flexibilität, die für Investitionen, Wachstum und strategische Weiterentwicklung erforderlich ist.

Der Fall zeigt eindrucksvoll, dass nicht jede Unternehmenskrise eine Insolvenz erfordert. Häufig liegt die Lösung darin, die Finanzierungsstruktur zu sanieren, bevor die operative Krise entsteht.

Was diesen Fall besonders gemacht hat

Das Unternehmen musste nicht saniert werden.

Die Schulden mussten saniert werden.

Viele Unternehmer wenden sich erst an Berater, wenn die Zahlungsunfähigkeit bereits unmittelbar bevorsteht.

Hier war die Situation anders. Bereits mehrere Jahre vor Einleitung des Restrukturierungsverfahrens wurde regelmäßig über Liquidität, Finanzierung und strategische Handlungsoptionen gesprochen. Dadurch bestand ausreichend Zeit, die tatsächlichen Ursachen der Krise zu analysieren.

Marke, Kundenstamm, Standorte und Geschäftsmodell waren intakt. Erst die hohe Verschuldung verhinderte Investitionen und blockierte die weitere Entwicklung.

Das StaRUG-Verfahren bot die Möglichkeit, diese finanzielle Altlast zu beseitigen, ohne die Öffentlichkeit einzubeziehen und ohne die mit einer Insolvenz verbundenen Risiken einzugehen.

Der Fall zeigt exemplarisch, wie wirkungsvoll eine frühzeitige Restrukturierung sein kann, wenn operative Stärke und wirtschaftliche Substanz weiterhin vorhanden sind.

Faktenbox

Verfahren
Restrukturierung nach StaRUG
Branche
Modehandel / Maßkonfektion
Standorte
4
Dauer
6 Monate
Schuldenabbau
ca. 960.000 €
Forderungsverzicht
85,15 %
Besonderheit
Insolvenz vollständig vermieden
Ergebnis
Fortführung aller Standorte und Erhalt der Bonität
Vertrauliches Erstgespräch

Nicht jede Krise erfordert eine Insolvenz.

Oft bestehen mehr Handlungsmöglichkeiten, als Unternehmer zunächst vermuten. In einem vertraulichen Gespräch analysieren wir Ihre Situation und zeigen auf, welche Sanierungsinstrumente realistisch zur Verfügung stehen.

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