Ein zäher Unternehmer. Ein hoher Preis. Erfolgreich saniert.
Sanierung eines Lichtdesign- und Lichtwerbungsherstellers in Oberbayern in Eigenverwaltung mit Insolvenzplan — trotz persönlicher Haftung des Inhabers.
Verlauf des Verfahrens
- Januar 2023Antrag auf Eigenverwaltung (§ 270a InsO)
- Januar 2023Vorläufige Eigenverwaltung angeordnet
- April 2023Eröffnung des Verfahrens, Eigenverwaltung bewilligt
- im VerfahrenKostensenkung, Fokus auf Kerngeschäft, Umsatz verdreifacht
- im VerfahrenTragbare Lösung für die Privatschulden mit dem Sachwalter
Ausgangslage
Ein familiengeführter Hersteller hochwertiger Lichtdesign- und Lichtwerbungsprodukte in Oberbayern, nur wenige Meter von der österreichischen Grenze entfernt, hatte sich als Manufaktur für individuelle Beleuchtungslösungen einen Namen gemacht. Statt Massenware fertigte das Unternehmen Lichtdecken, digitale Lichtdisplays und Setups für Shows, Messen und Veranstaltungen — vieles davon von der Planung bis zur Montage im eigenen Haus.
Ein erheblicher Teil der Kundschaft saß in Österreich, wo der Inhaber über Jahrzehnte sein Netzwerk aufgebaut hatte. Das Geschäftsmodell war grundsätzlich tragfähig und die Spezialisierung auf intelligente Lichtsysteme im Innenbereich hob das Unternehmen von der überwiegend konzerngeprägten Konkurrenz ab.
In die Krise geriet der Betrieb durch eine Verkettung äußerer Umstände: die Corona-Pandemie mit dem Wegfall des Messebaus, der Ukraine-Krieg, Inflation und stark gestiegene Energiekosten sowie zunehmender Preisdruck durch osteuropäische Wettbewerber. Kunden sparten in der Krise zuerst bei der Werbung, und die erhoffte Erholung nach der Pandemie blieb aus.
Herausforderung
Das eigentlich Schwierige an diesem Fall war nicht der Betrieb, sondern die persönliche Last, die auf den Schultern des Inhabers ruhte.
Als Unternehmer der alten Schule stand er über Jahre mit seinem Namen und seinem Vermögen für sein Werk ein. Er hatte für die Verbindlichkeiten des Unternehmens persönlich gebürgt und im Laufe der Jahre erhebliche private Kredite aufgenommen, um den Betrieb am Leben zu halten.
Mit der Insolvenz wurde diese persönliche Haftung zur bitteren Realität. Die privaten Verbindlichkeiten mussten zurückgeführt werden — mit der Folge, dass der Unternehmer sein Eigenheim verkaufen musste. Für die betroffene Familie war das ein schwerer, kaum in Worte zu fassender Einschnitt.
Die Aufgabe war deshalb eine doppelte: das Unternehmen zu sanieren und zugleich einen Weg zu finden, der den Menschen dahinter nicht vollständig wirtschaftlich ruinierte.
Lösung
Im Rahmen der Eigenverwaltung wurde der Geschäftsbetrieb konsequent auf sein rentables Kerngeschäft ausgerichtet.
Maschinen- und Fuhrpark wurden auf das absolut Notwendige verkleinert, jede einzelne Kostenposition auf den Prüfstand gestellt und interne Abläufe gestrafft. Trotz der durch die Insolvenz ausgelösten Zurückhaltung von Kunden und Lieferanten — viele stellten auf Vorkasse um — gelang es, das Vertrauen zurückzugewinnen und die Zusammenarbeit fortzuführen.
Der Erfolg dieser Arbeit war messbar: Der Monatsumsatz verdreifachte sich im Verlauf des Verfahrens, und der Cashflow war nach Eröffnung wieder positiv.
Der entscheidende menschliche Teil der Lösung lag außerhalb der reinen Betriebszahlen. Gemeinsam mit dem Sachwalter wurde ein Weg gefunden, wie der Inhaber über mehrere Jahre einen machbaren Teil seiner Verbindlichkeiten zurückführen konnte — in einem Umfang, den er tatsächlich tragen konnte, ohne endgültig zusammenzubrechen.
Dass eine solche faire Lösung möglich war, hatte auch mit der Region zu tun. In Oberbayern begegnet man in Not geratenen Unternehmern noch mit Anstand. Man gönnt einander das Auskommen und will im Ergebnis niemandem den letzten Rest nehmen. Genau diese Haltung prägte auch dieses Verfahren.
Ergebnis
Das Unternehmen wurde über einen Insolvenzplan saniert, ohne liquidiert oder verkauft zu werden — ein Verkauf war mangels Investoreninteresse ohnehin gescheitert.
Die Gläubiger meldeten Forderungen von rund 1,2 Mio. € an. Der Plan sieht eine garantierte Quote von 3,0 Prozent vor, die sich bei guter Geschäftsentwicklung über eine variable Komponente auf bis zu 11,0 Prozent erhöhen kann.
Der Geschäftsbetrieb wurde ohne Unterbrechung fortgeführt, die Arbeitsplätze der rund 24 Beschäftigten blieben erhalten. Das Unternehmen konzentriert sich heute auf sein Kerngeschäft und ist auf Rendite ausgerichtet.
Der wahre Preis dieser Sanierung war jedoch ein privater. Der Inhaber hat sein Haus verloren und trägt seine verbliebenen Verbindlichkeiten über Jahre ab. Dass er diesen Weg gegangen ist und trotzdem weitermacht, verdient höchsten Respekt.
Was diesen Fall besonders gemacht hat
Das Besondere an diesem Fall war der Unternehmer selbst.
Er trug den Preis der Rettung persönlich — und machte trotzdem weiter.
Dieser Unternehmer war von einer besonderen Zähigkeit. Er ließ sich nicht entmutigen, auch nicht, als klar wurde, dass er für die Rettung seines Betriebs sein Eigenheim würde aufgeben müssen.
Es geht in der Sanierung nicht immer nur um Zahlen und Quoten. Es geht um Menschen, die für ihr Lebenswerk einstehen — und um die Frage, ob man ihnen einen Weg zurück ins Leben lässt. Ich bewundere Unternehmer, die ein solches Schicksal aushalten und trotzdem weitermachen.
Faktenbox
- Verfahren
- Eigenverwaltung mit Insolvenzplan (§ 270a InsO)
- Gericht
- Amtsgericht Traunstein
- Branche
- Lichtdesign / Lichtwerbung
- Region
- Oberbayern, nahe der österreichischen Grenze
- Beschäftigte
- ca. 24
- Gläubigerforderungen
- ca. 1,2 Mio. €
- Garantierte Quote
- 3,0 % (variabel bis 11,0 %)
- Besonderheit
- Persönliche Haftung des Inhabers, Verkauf des Eigenheims
- Ergebnis
- Fortführung des Betriebs, tragbare Rückführung der Privatschulden
Nicht jede Krise erfordert eine Insolvenz.
Oft bestehen mehr Handlungsmöglichkeiten, als Unternehmer zunächst vermuten. In einem vertraulichen Gespräch analysieren wir Ihre Situation und zeigen auf, welche Sanierungsinstrumente realistisch zur Verfügung stehen.
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