Jörg Franzke
Fallstudie · IT-Dienstleistungen / Prozessdigitalisierung

Operativ saniert. Verfahren in letzter Minute gerettet.

Sanierung eines IT-Dienstleisters über Eigenverwaltung und Insolvenzplan — mit konsequenter Fokussierung auf das profitable Kerngeschäft und Fortführung trotz einer monatelang verlegten Gerichtsakte.

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34
Mitarbeiter
1,5 Mio. €
restrukturiert
12 Monate
Verfahrensdauer
5 %
Quote Insolvenzplan

Verlauf des Verfahrens

  1. 2024
    Liquiditätskrise durch Wachstumsinvestitionen, Projektverluste und Kürzung der Kreditlinie
  2. Januar 2025
    Beginn der Eigenverwaltung
  3. Frühjahr 2025
    Operative Restrukturierung und Konzentration auf das Kerngeschäft
  4. Sommer 2025
    Abstimmung über den Insolvenzplan verzögert sich wegen einer verlegten Gerichtsakte
  5. Herbst 2025
    Akte wird wieder aufgefunden, Insolvenzplan kann fortgeführt werden
  6. Januar 2026
    Rechtskräftiger Abschluss des Insolvenzplans

Ausgangslage

Ein spezialisierter IT-Dienstleister hatte sich über viele Jahre als Anbieter von Lösungen in den Bereichen Customer Communication Management, Workflow Management und Enterprise Application Integration etabliert.

Zu den Kunden gehörten überwiegend mittelständische und große Unternehmen, die ihre Geschäftsprozesse digitalisieren und automatisieren wollten. Das Unternehmen beschäftigte 34 hochqualifizierte Mitarbeiter und verfügte über langjährige Kundenbeziehungen sowie eine starke Marktposition in seinem Spezialsegment.

Die Krise entstand nicht durch fehlende Nachfrage oder technologische Defizite.

Vielmehr hatte das Unternehmen in den Jahren zuvor gezielt in Wachstum investiert. Neue Teams für Vertrieb, Marketing und Produktentwicklung sollten die nächste Entwicklungsstufe des Unternehmens ermöglichen.

Die erwarteten Erfolge blieben jedoch hinter den Planungen zurück.

Krankheitsbedingte Ausfälle wichtiger Mitarbeiter verzögerten Vertriebs- und Marketingkampagnen. Gleichzeitig verließen mehrere produktive Fachkräfte das Unternehmen, ohne kurzfristig ersetzt werden zu können.

Der Anteil nicht fakturierender Mitarbeiter stieg, während die Umsätze hinter den Erwartungen zurückblieben.

Die Situation verschärfte sich zusätzlich durch externe Faktoren. Die Hausbank reduzierte den bestehenden Kontokorrentkredit kurzfristig um ein Drittel. Gleichzeitig wurden bereits zugesagte Fördermittel aufgrund politischer Unsicherheiten eingefroren. Darüber hinaus endeten mehrere bedeutende Kundenprojekte unerwartet zum Jahreswechsel.

Innerhalb weniger Monate entwickelte sich aus einer Wachstumsstrategie eine akute Liquiditätskrise.

Herausforderung

Die größte Herausforderung bestand darin, das wirtschaftlich gesunde Kerngeschäft von den Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre zu trennen.

Das Unternehmen verfügte weiterhin über erfahrene Mitarbeiter, eine starke Kundenbasis und eine hohe fachliche Reputation.

Gleichzeitig belasteten hohe Fixkosten, Investitionen in nicht profitable Geschäftsfelder und überdimensionierte Strukturen die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit erheblich.

Eine Liquidation hätte erhebliche Werte vernichtet.

Das Unternehmen verfügte kaum über verwertbare Sachwerte. Der eigentliche Unternehmenswert lag im Know-how der Mitarbeiter, den Kundenbeziehungen und den laufenden Projekten. Genau diese Werte wären in einer Zerschlagung weitgehend verloren gegangen.

Die Herausforderung bestand daher darin, die Kostenstruktur zu reduzieren und gleichzeitig die Fortführung des Geschäftsbetriebs sicherzustellen.

Lösung

Im Rahmen der Eigenverwaltung wurde das Unternehmen umfassend neu ausgerichtet.

Die Personalstruktur wurde an die tatsächliche Auslastung angepasst. Die Zahl der Beschäftigten wurde deutlich reduziert. Gleichzeitig wurden Leasingverträge beendet und die Vergütungsstrukturen vereinfacht.

An beiden Standorten wurden die angemieteten Büroflächen verkleinert. Nicht mehr benötigte Flächen konnten teilweise unmittelbar weitervermietet werden, wodurch zusätzliche Kosten eingespart wurden.

Darüber hinaus wurden sämtliche Softwarelizenzen und laufenden Verträge auf ihre betriebliche Notwendigkeit überprüft. Nicht zwingend erforderliche Anwendungen und Dienstleistungen wurden gekündigt oder nicht verlängert.

Eine wichtige strategische Entscheidung bestand darin, die Entwicklung einer eigenen Recruiting-Software einzustellen. Obwohl bereits erhebliche Investitionen in dieses Projekt geflossen waren, fehlte die kurzfristige wirtschaftliche Perspektive. Die Gesellschaft konzentrierte sich stattdessen wieder konsequent auf ihr profitables Kerngeschäft im Bereich der Prozessdigitalisierung.

Durch diese Maßnahmen entstand innerhalb weniger Monate eine deutlich schlankere und wirtschaftlich tragfähige Unternehmensstruktur.

Ergebnis

Das Eigenverwaltungsverfahren konnte nach zwölf Monaten erfolgreich abgeschlossen werden.

Die Gläubiger erhielten im Rahmen des Insolvenzplans eine Quote von 5 %.

Gleichzeitig wurden Verbindlichkeiten von rund 1,5 Mio. € nachhaltig restrukturiert.

Das Unternehmen konnte seine wichtigsten Kundenbeziehungen erhalten, den Geschäftsbetrieb ohne Unterbrechung fortführen und sich wieder vollständig auf seine profitablen Kernleistungen konzentrieren.

Heute arbeitet die Gesellschaft mit einer deutlich schlankeren Kostenstruktur, geringerem Fixkostenblock und klarer strategischer Ausrichtung.

Der Fall zeigt eindrucksvoll, dass nicht jede Krise auf ein fehlendes Geschäftsmodell zurückzuführen ist. Häufig geraten Unternehmen in Schwierigkeiten, weil Wachstumsinvestitionen und externe Ereignisse die Liquidität überfordern. Mit einer konsequenten Fokussierung auf das Kerngeschäft kann aus einer solchen Situation jedoch wieder ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen entstehen.

Was diesen Fall besonders gemacht hat

Viele Sanierungen scheitern an wirtschaftlichen Problemen.

Dieser Fall hätte beinahe aus einem völlig anderen Grund sein Ziel verfehlt.

Die eigentliche Restrukturierung war bereits erfolgreich umgesetzt. Das Unternehmen hatte seine Kostenstruktur angepasst, sich von nicht profitablen Geschäftsfeldern getrennt und sich wieder auf sein Kerngeschäft konzentriert.

Die größte Herausforderung entstand erst danach. Bei Gericht war die Insolvenzakte monatelang nicht auffindbar.

Währenddessen entstand ein neues Risiko: Die anfangs wohlwollenden Banken verloren zunehmend die Geduld. Je länger das Verfahren dauerte, desto größer wurde die Sorge, dass die Sanierung möglicherweise doch noch scheitern könnte.

Dabei war das Unternehmen operativ längst auf dem richtigen Weg.

Erst als die Akte wieder aufgefunden wurde, konnte das Verfahren fortgesetzt und der Insolvenzplan beschlossen werden.

Der Fall zeigt, dass erfolgreiche Restrukturierungen nicht allein von betriebswirtschaftlichen Maßnahmen abhängen. Ebenso wichtig sind Geschwindigkeit, Verfahrenssicherheit und das Vertrauen aller Beteiligten.

Manchmal entscheidet nicht die wirtschaftliche Sanierung über den Erfolg eines Verfahrens, sondern die Fähigkeit, das Vertrauen von Banken, Kunden und Geschäftspartnern auch in schwierigen Phasen aufrechtzuerhalten.

Faktenbox

Verfahren
Eigenverwaltung mit Insolvenzplan
Branche
IT-Dienstleistungen / Prozessdigitalisierung
Beschäftigte
34
Standorte
Berlin und Flensburg
Verbindlichkeiten
ca. 1,5 Mio. €
Verfahrensdauer
12 Monate
Besonderheit
Konzentration auf profitables Kerngeschäft
Sanierungsmaßnahmen
Personalabbau, Flächenreduzierung, Lizenzoptimierung, Einstellung eines verlustreichen Entwicklungsprojekts
Quote Insolvenzplan
5 %
Ergebnis
Fortführung des Unternehmens und nachhaltige Restrukturierung
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