Kein Aufsehen. Kein Umsatzverlust. Erfolgreich saniert.
Sanierung eines Entwicklers sicherheitskritischer Embedded-Software in Eigenverwaltung mit Insolvenzplan — so geräuschlos geführt, dass nicht einmal die Kunden etwas bemerkten.
Verlauf des Verfahrens
- 22. Februar 2024Antrag auf Eigenverwaltung nach § 270a InsO
- 28. April 2024Vorläufige Eigenverwaltung, Sachwalter bestellt
- 28. Juni 2024Gutachten des Sachwalters vorgelegt
- 1. Juli 2024Eröffnung des Hauptverfahrens
- 1. Oktober 2024Gläubigerversammlung, Insolvenzplan angenommen
Ausgangslage
Ein spezialisierter Entwickler von Embedded-Software für intelligente und mobile Systeme mit höchsten Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen — etwa nach der ISO 26262 für die funktionale Sicherheit von Straßenfahrzeugen — beriet und entwickelte für namhafte Industrie- und Konsumgüterkonzerne. Neben den beiden Gründern und Geschäftsführern beschäftigte das Unternehmen rund zehn hochqualifizierte Mitarbeiter an zwei Standorten.
Das Geschäftsmodell war intakt und technisch anerkannt. In die Krise geriet das Unternehmen durch das schwierige Marktumfeld: die unklare Zukunft der Antriebstechnologien in der Automobilindustrie, den Rückgang von Entwicklungsprojekten bei den großen Herstellern und Zulieferern sowie den daraus folgenden Preisdruck.
Hinzu kamen steigende Kosten durch Inflation und Energiepreise. Vor allem aber sank die Auslastung auf unter sechzig Prozent — bei einem Dienstleistungsunternehmen, dessen Wert in den Köpfen seiner Entwickler steckt, wiegt Leerlauf besonders schwer.
Trotz erster eigener Sanierungsschritte — Kurzarbeit, Trennung von Leiharbeitnehmern und Freiberuflern, Wechsel von Dienstleistern — reichten die Maßnahmen allein nicht aus, und die Zahlungsunfähigkeit drohte.
Herausforderung
Die eigentliche Herausforderung war denkbar untypisch: Es gab keine.
In einem beratungsintensiven Geschäft mit hochqualifizierten Konzernkunden ist der Ruf alles. Hätten die Auftraggeber von einem Insolvenzverfahren erfahren, wären laufende Projekte und Ausschreibungen gefährdet gewesen — nicht wegen rechtlicher Risiken, sondern aus schlichter Vorsicht.
Die Aufgabe bestand deshalb darin, das Verfahren so ruhig und unauffällig zu führen, dass der Geschäftsbetrieb vollständig unbeeinträchtigt weiterlief. Konflikte sollten gar nicht erst entstehen, und die Sanierung sollte in kürzester Zeit und ohne jedes Aufsehen abgeschlossen werden.
Lösung
Das Verfahren wurde in Eigenverwaltung nach § 270a InsO geführt — bewusst geräuschlos und diszipliniert.
Die Grundlage war eine engmaschige, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Sachwalter: wöchentliche Reportings, wöchentliche Liquiditätsplanung und regelmäßige gemeinsame Besprechungen mit Geschäftsführung und Sanierungsberatung. Weil der Sachwalter mitspielte und den Kurs mittrug, konnten Entscheidungen schnell und ohne Reibung getroffen werden.
Parallel wurde die Kostenstruktur konsequent an die tatsächliche Ertragskraft angepasst: Verlagerung der IT in die Cloud, Umzug in ein kleineres Servicebüro, Rückführung von Sonderzahlungen, temporärer Gehaltsverzicht der Gesellschafter-Geschäftsführer, Insourcing des Vertriebs und Abbau nicht mehr benötigter Fixkosten. Die Löhne der Mitarbeiter wurden über eine Insolvenzgeldvorfinanzierung gesichert.
Zugleich wurde die Ertragsseite gestärkt: ein neues Projekt zur Absicherung einer sicherheitskritischen Steuerung hob die Auslastung wieder auf über neunzig Prozent, und beim wichtigsten Kunden wurde eine Preisanpassung durchgesetzt. Strategisch verbreiterte das Unternehmen seinen Fokus über die Automobilindustrie hinaus auf Industrieanlagen, Verkehrssysteme und Medizintechnik sowie auf die Zukunftsthemen Embedded Cybersecurity und Embedded AI.
Der Insolvenzplan wurde durch einen abschöpfbaren Betriebsüberschuss und eine Sonderzahlung getragen — die laufende Sanierung finanzierte sich dabei aus eigener Kraft, ganz ohne Fremdkapital.
Ergebnis
Das Verfahren wurde am Amtsgericht Frankfurt am Main in kürzester Zeit erfolgreich abgeschlossen — vom Antrag bis zur Gläubigerversammlung vergingen nur wenige Monate.
Der Geschäftsbetrieb lief während des gesamten Verfahrens vollständig ohne Unterbrechung weiter. Die wesentlichen Kunden blieben erhalten; neue Projekte kamen hinzu.
Das Bemerkenswerteste: Nach außen bemerkte praktisch niemand etwas von der Sanierung — nicht einmal die Kunden. Es gab keinen Vertrauensverlust, keinen Umsatzeinbruch, keine Unruhe im Team.
Aus einem Unternehmen, das durch ein schwieriges Marktumfeld und sinkende Auslastung in die Krise geraten war, wurde ein entschuldetes, breiter aufgestelltes und selbstfinanzierungsfähiges Unternehmen mit klarer Zukunftsstrategie.
Der Fall zeigt, dass eine Sanierung nicht laut sein muss. Manchmal ist der größte Erfolg, dass niemand sie überhaupt bemerkt.
Was diesen Fall besonders gemacht hat
Die eigentliche Leistung war die Ruhe.
Eine Sanierung, die niemand bemerkte.
Die meisten Sanierungen kämpfen mit Vertrauensverlust, Unruhe und dem Wegbrechen von Kunden. Dieses Verfahren verlief so ruhig, dass quasi niemand etwas davon mitbekam — nicht einmal die Auftraggeber.
Weil auch der Sachwalter mitspielte und den Kurs mittrug, ließ sich die Sanierung in kürzester Zeit und vollkommen geräuschlos am Amtsgericht Frankfurt abschließen. Das Besondere an diesem Fall war, dass es nichts Besonderes gab — und genau darin lag der Erfolg.
Faktenbox
- Verfahren
- Eigenverwaltung nach § 270a InsO mit Insolvenzplan
- Gericht
- Amtsgericht Frankfurt am Main
- Branche
- Entwicklung sicherheitskritischer Embedded-Software
- Beschäftigte
- zwei Geschäftsführer und rund zehn Mitarbeiter
- Verfahrensdauer
- Antrag 02/2024 bis Insolvenzplan 10/2024
- Garantierte Quote
- 8,0 %
- Besonderheit
- So ruhig geführt, dass nicht einmal die Kunden es bemerkten
- Ergebnis
- Fortführung und nachhaltige Sanierung ohne Umsatzverlust
Nicht jede Krise erfordert eine Insolvenz.
Oft bestehen mehr Handlungsmöglichkeiten, als Unternehmer zunächst vermuten. In einem vertraulichen Gespräch analysieren wir Ihre Situation und zeigen auf, welche Sanierungsinstrumente realistisch zur Verfügung stehen.
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