Erst StaRUG. Dann Eigenverwaltung. Am Ende gerettet.
Doppelrestrukturierung einer IFS-zertifizierten Bio-Manufaktur: Nach erfolgreichem StaRUG-Verfahren machte eine zweite Krise eine Eigenverwaltung mit Insolvenzplan und Investoreneinstieg notwendig — am Ende gerettet.
Verlauf des Verfahrens
- Mai 2022Start des Restrukturierungsverfahrens nach StaRUG
- November 2022Gläubiger stimmen dem Restrukturierungsplan zu und akzeptieren den Schuldenschnitt
- August 2023Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung
- Oktober 2024Investoren steigen ein und übernehmen Gesellschaftsanteile
- Dezember 2024Gericht bestätigt den Insolvenzplan
Ausgangslage
Eine IFS-zertifizierte Bio-Manufaktur hatte sich auf die Herstellung hochwertiger Lebensmittel aus kontrolliert biologischem Anbau spezialisiert.
Das Unternehmen verfolgte konsequent eine Strategie aus Nachhaltigkeit, regionalen Rohstoffen und hoher Produktqualität. Zu den Kunden gehörten namhafte Handelsunternehmen und Großhändler.
Kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie schien die Zukunft gesichert.
Die Gesellschaft hatte Vorverträge mit bedeutenden Vertriebspartnern abgeschlossen. Unter anderem war die Einführung der Produkte bei mehreren tausend Filialen eines großen Lebensmitteleinzelhändlers geplant. Auch weitere Großhändler hatten ihre grundsätzliche Bereitschaft zur Zusammenarbeit erklärt.
Die notwendigen Investitionen für Wachstum und Markteintritt waren bereits erfolgt.
Dann kam Corona.
Geplante Regionalmessen, Verkostungen und Produkteinführungen wurden abgesagt. Vertriebspartner konzentrierten sich auf die Bewältigung ihrer eigenen Herausforderungen. Die Produkte wurden zwar grundsätzlich positiv bewertet, die geplante Markteinführung verzögerte sich jedoch immer weiter.
Die erwarteten Umsätze blieben aus.
Hinzu kamen die Folgen des Ukraine-Krieges. Als Lebensmittelhersteller war das Unternehmen auf bestimmte Rohstoffe angewiesen, die bislang teilweise aus der Ukraine bezogen wurden. Die Suche nach alternativen Lieferanten führte zu zusätzlichen Belastungen und höheren Kosten.
Obwohl das Geschäftsmodell funktionierte und die Nachfrage nach den Produkten unverändert bestand, geriet die Gesellschaft zunehmend unter finanziellen Druck.
Herausforderung
Die größte Herausforderung bestand darin, ein grundsätzlich gesundes Unternehmen vor einer schleichenden Überschuldung zu schützen.
- Das operative Geschäft war intakt.
- Die Produkte waren am Markt gefragt.
- Die Kunden waren vorhanden.
Das eigentliche Problem lag in der Kapitalstruktur und den finanziellen Folgen mehrerer aufeinanderfolgender Krisen.
Hinzu kam eine weitere Sorge der Gesellschafter.
Eine klassische Insolvenz hätte die Gefahr eröffnet, dass Investoren oder Wettbewerber versuchen könnten, Einfluss auf das Unternehmen zu gewinnen oder die Eigentümerstruktur zu verändern.
Deshalb sollte zunächst eine Lösung außerhalb eines Insolvenzverfahrens gefunden werden.
Lösung – Erste Sanierung durch StaRUG
Gemeinsam mit der Geschäftsführung wurde ein Restrukturierungsverfahren nach dem Unternehmensstabilisierungs- und Restrukturierungsgesetz (StaRUG) eingeleitet.
Ziel war es, die finanzielle Belastung zu reduzieren und dem Unternehmen ausreichend Zeit für die operative Erholung zu verschaffen.
Der Restrukturierungsplan sah einen Forderungsverzicht von rund 1,6 Mio. € vor.
Die beteiligten Gläubiger erhielten eine Quote von 8 %.
Das Restrukturierungsgericht bestätigte den Plan.
Das Unternehmen war erfolgreich restrukturiert und die Insolvenz zunächst abgewendet.
Die zweite Krise
Doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entwickelten sich schlechter als erwartet.
Die allgemeine Konsumzurückhaltung, die schwache Konjunktur und die anhaltenden Belastungen im Markt führten dazu, dass die notwendigen Deckungsbeiträge weiterhin nicht erreicht wurden.
Gleichzeitig waren die finanziellen Reserven durch das vorangegangene Restrukturierungsverfahren weitgehend aufgebraucht.
Ein weiteres StaRUG-Verfahren kam wirtschaftlich nicht mehr in Betracht.
Wenige Monate später drohte erneut die Zahlungsunfähigkeit.
Lösung – Zweite Sanierung durch Eigenverwaltung
Die Lösung bestand diesmal in einer Insolvenz in Eigenverwaltung.
Das Unternehmen wurde erneut stabilisiert und ein Insolvenzplan entwickelt.
Parallel dazu wurde ein Investorenprozess durchgeführt.
Im Rahmen des Insolvenzplans erfolgte ein Kapitalschnitt. Neue Investoren beteiligten sich an der Gesellschaft und stellten die Finanzierung des Insolvenzplans sicher.
Gleichzeitig integrierten die Investoren Teile der Produktion in ihre bestehende Unternehmensgruppe.
Dadurch entstanden langfristige Synergien und ein verlässlicher Absatzkanal für die Produkte der Gesellschaft.
Ergebnis
- Auch die zweite Restrukturierung wurde erfolgreich abgeschlossen.
- Im Rahmen des Insolvenzplans konnten weitere rund 5,5 Mio. € Verbindlichkeiten bereinigt werden.
- Die Gläubiger erhielten eine Quote von 3 %.
- Das Unternehmen blieb erhalten.
- Die Produktion wurde fortgeführt.
- Arbeitsplätze konnten gesichert werden.
- Durch den Einstieg der Investoren erhielt die Gesellschaft nicht nur frisches Kapital, sondern auch einen langfristig stabilen Auftraggeber innerhalb der Unternehmensgruppe.
- Heute verfügt das Unternehmen über eine deutlich robustere Finanzierungsstruktur und einen verlässlichen Absatzmarkt.
Der Fall zeigt eindrucksvoll, dass Restrukturierung kein einmaliger Vorgang sein muss. Manchmal erfordert die Rettung eines Unternehmens mehrere aufeinander aufbauende Schritte. Entscheidend ist, für jede Phase der Krise das richtige Instrument einzusetzen.
Was diesen Fall besonders gemacht hat
Restrukturierung ist nicht immer ein einmaliger Vorgang.
Manchmal braucht die Rettung eines Unternehmens mehrere Schritte.
Die erste Restrukturierung war erfolgreich. Die Insolvenz wurde zunächst vermieden und die Verbindlichkeiten deutlich reduziert.
Doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entwickelten sich schlechter als erwartet. Die Folgen von Corona, Inflation und Konsumzurückhaltung verhinderten die erhoffte Erholung.
Statt die Probleme weiter aufzuschieben, wurde frühzeitig ein zweiter Sanierungsschritt eingeleitet.
Die anschließende Eigenverwaltung ermöglichte nicht nur einen weiteren Schuldenabbau, sondern auch den Einstieg strategischer Investoren. Dadurch gewann das Unternehmen einen langfristigen Partner, der heute zugleich wichtiger Auftraggeber ist.
Der Fall zeigt, dass erfolgreiche Restrukturierung manchmal mehrere aufeinander aufbauende Lösungen erfordert. Entscheidend ist, zur richtigen Zeit das richtige Instrument einzusetzen.
Faktenbox
- Verfahren 1
- Restrukturierung nach StaRUG
- Verfahren 2
- Eigenverwaltung mit Insolvenzplan
- Branche
- Bio-Lebensmittel / Food-Manufaktur
- Zertifizierung
- IFS Food
- Schuldenabbau StaRUG
- ca. 1,6 Mio. €
- Quote StaRUG
- 8 %
- Schuldenabbau Eigenverwaltung
- ca. 5,5 Mio. €
- Quote Insolvenzplan
- 3 %
- Besonderheit
- Erfolgreiche Doppelrestrukturierung innerhalb kurzer Zeit
- Investoreneinstieg
- Ja
- Ergebnis
- Unternehmen erhalten, Produktion gesichert, langfristiger strategischer Partner gewonnen
Nicht jede Krise erfordert eine Insolvenz.
Oft bestehen mehr Handlungsmöglichkeiten, als Unternehmer zunächst vermuten. In einem vertraulichen Gespräch analysieren wir Ihre Situation und zeigen auf, welche Sanierungsinstrumente realistisch zur Verfügung stehen.
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