Fünf EDEKA-Märkte standen auf dem Spiel.
Sanierung einer traditionsreichen Bio-Bäckerei in Eigenverwaltung — und vor allem die Abschirmung der gesunden EDEKA-Märkte des Unternehmers gegen die Ansteckungseffekte der Krise.
Verlauf des Verfahrens
- Dezember 2024Beginn der Insolvenz in Eigenverwaltung
- Juni 2025Gläubigerversammlung beschließt die Fortführung des Unternehmens
- Dezember 2025Gericht bestätigt den Insolvenzplan
- Februar 2026Aufhebung des Insolvenzverfahrens
Ausgangslage
Ein Unternehmer betrieb erfolgreich mehrere EDEKA-Märkte.
Aufgrund einer günstigen Gelegenheit entschied er sich zusätzlich zum Erwerb einer traditionsreichen Bio-Bäckerei mit acht Filialen und eigener Produktion.
Die Überlegung erschien nachvollziehbar.
Die Bäckerei verfügte über eine etablierte Marke, eine eigene Backstube, regionale Bekanntheit und ein Sortiment hochwertiger Bio-Backwaren. Darüber hinaus bot die vertikale Integration erhebliche Synergien mit den bestehenden EDEKA-Märkten.
Doch die Rahmenbedingungen entwickelten sich anders als erwartet.
Die Bäckerei befand sich noch in einer Investitionsphase und schrieb Verluste. Gleichzeitig belasteten die Folgen der Energiekrise, die hohe Inflation und die Kaufzurückhaltung der Verbraucher die gesamte Branche.
Während die EDEKA-Märkte weiterhin stabil wirtschafteten, entwickelte sich die Bäckerei zunehmend zu einem finanziellen Problem.
Über längere Zeit konnten die Verluste durch Lieferantenstundungen und die wirtschaftliche Stärke der EDEKA-Märkte ausgeglichen werden.
Irgendwann war dieser Weg jedoch ausgeschöpft.
Die Krise der Bäckerei begann, die Liquidität der gesamten Unternehmensgruppe zu gefährden.
Herausforderung
Die eigentliche Herausforderung bestand nicht darin, die Bäckerei zu retten.
Die eigentliche Herausforderung bestand darin, Schaden von den EDEKA-Märkten abzuwenden.
Die wirtschaftlich gesunden Lebensmittelmärkte durften nicht durch die Probleme der Bäckerei mit in die Krise gezogen werden.
Hinzu kam eine weitere Gefahr.
Die EDEKA-Organisation beobachtete die Entwicklung mit zunehmender Sorge. Es bestand das Risiko, dass die bestehenden Marktverträge gefährdet werden könnten, falls die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Bäckerei auf die übrigen Unternehmen übergreifen würden.
Eine klassische Insolvenz hätte erhebliche Unsicherheit ausgelöst.
Damit standen nicht nur die Arbeitsplätze der Bäckerei auf dem Spiel, sondern mittelbar auch die Zukunft mehrerer erfolgreicher EDEKA-Märkte.
Lösung
Die Entscheidung fiel zugunsten einer Insolvenz in Eigenverwaltung.
Ziel war es, die Bäckerei konsequent zu restrukturieren und gleichzeitig die wirtschaftlich gesunden Unternehmen der Gruppe abzuschirmen.
Während des Verfahrens wurden zahlreiche operative Maßnahmen umgesetzt.
Die Führungsstruktur wurde neu organisiert, Verantwortlichkeiten klar definiert und interne Abläufe neu geordnet.
Produktionsprozesse wurden vereinfacht und Rezepturen angepasst. Die Produktpalette wurde gestrafft. Der Fokus auf Bio-Produkte wurde reduziert und auf die wirtschaftlich attraktivsten Bereiche konzentriert.
Gleichzeitig wurden Personal- und Logistikkosten deutlich gesenkt. Tourenplanungen wurden optimiert, Filialstrukturen überprüft und nicht rentable Standorte konsequent aufgegeben.
Auch geplante Expansionen wurden gestoppt, um die vorhandenen Ressourcen vollständig auf die Stabilisierung des Kerngeschäfts zu konzentrieren.
Parallel dazu wurde die Zusammenarbeit mit den EDEKA-Märkten gezielt ausgebaut. Die Liefermengen konnten erhöht werden, wodurch zusätzliche Umsätze entstanden.
Ergebnis
- Das Unternehmen konnte erfolgreich saniert werden.
- Die Gläubiger erhielten aus dem Insolvenzplan eine Ausschüttung von rund 80.000 € bei Verbindlichkeiten von etwa 3,6 Mio. €.
- Die Quote betrug rund 3 %.
- Noch wichtiger war jedoch ein anderer Erfolg.
- Die wirtschaftlich gesunden EDEKA-Märkte wurden vollständig vor den Folgen der Krise geschützt.
- Die Unternehmensgruppe blieb erhalten.
- Die Versorgung der Filialen konnte gesichert werden.
- Arbeitsplätze wurden erhalten.
- Und aus einer Situation, die das Potenzial hatte, mehrere Unternehmen gleichzeitig in Schwierigkeiten zu bringen, entstand wieder eine stabile Unternehmensstruktur.
Der Fall zeigt eindrucksvoll, dass Restrukturierung oft nicht nur der Rettung eines einzelnen Unternehmens dient. Manchmal geht es darum, den Schaden auf einen Teil der Unternehmensgruppe zu begrenzen, um das eigentliche Lebenswerk des Unternehmers zu schützen.
Was diesen Fall besonders gemacht hat
Viele Sanierungsverfahren verfolgen das Ziel, ein einzelnes Unternehmen zu retten.
Hier war die Situation anders.
Die Bäckerei war zwar Auslöser der Krise, das eigentliche Risiko lag jedoch in den möglichen Folgen für die übrige Unternehmensgruppe. Wäre die Krise auf die EDEKA-Märkte übergesprungen, hätte dies das gesamte Lebenswerk des Unternehmers gefährdet.
Hinzu kam die Sorge, dass die EDEKA-Organisation bei einer unkontrollierten Entwicklung Konsequenzen für die Marktverträge ziehen könnte.
Deshalb stand nicht allein die Sanierung der Bäckerei im Mittelpunkt, sondern die Stabilisierung der gesamten Unternehmensgruppe.
Der Fall zeigt exemplarisch, dass Restrukturierung häufig mehr bedeutet als die Rettung eines einzelnen Unternehmens. Manchmal besteht die eigentliche Aufgabe darin, gesunde Unternehmen vor den Problemen eines anderen Unternehmens derselben Gruppe zu schützen.
Faktenbox
- Verfahren
- Eigenverwaltung mit Insolvenzplan
- Branche
- Bio-Bäckerei / Lebensmittelproduktion
- Filialen
- 8 Standorte
- Besonderheit
- Schutz einer gesamten Unternehmensgruppe vor Ansteckungseffekten
- Verbindlichkeiten
- ca. 3,6 Mio. €
- Quote Insolvenzplan
- 3 %
- Operative Maßnahmen
- Filialbereinigung, Kostenreduktion, Produktions- und Logistikoptimierung
- Begleitende Herausforderung
- Schutz von fünf EDEKA-Märkten des Unternehmers
- Ergebnis
- Bäckerei saniert, Unternehmensgruppe erhalten, EDEKA-Märkte gesichert
Nicht jede Krise erfordert eine Insolvenz.
Oft bestehen mehr Handlungsmöglichkeiten, als Unternehmer zunächst vermuten. In einem vertraulichen Gespräch analysieren wir Ihre Situation und zeigen auf, welche Sanierungsinstrumente realistisch zur Verfügung stehen.
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