Drei Apotheken. Ein Sanierungskonzept.
Sanierung eines Apothekers mit drei Berliner Apotheken — über die Eigenverwaltung mit Insolvenzplan, bei durchgehend gesicherter Patientenversorgung.
Verlauf des Verfahrens
- 2022Kauf der Apotheken
- III. Quartal 2023Erste Liquiditätsengpässe
- Dezember 2024Beginn der Eigenverwaltung
- April 2026Insolvenzplan rechtskräftig bestätigt
Ausgangslage
Ein Apotheker betrieb drei Apotheken in Berlin. Die größte Apotheke erwirtschaftete einen Jahresumsatz von rund 3 Mio. €, die beiden weiteren Standorte jeweils rund 2,5 Mio. €.
Die Ursachen waren typisch für viele inhabergeführte Apotheken:
- Hohe Kaufpreisfinanzierungen aus früheren Übernahmen
- Steigende Personal- und Betriebskosten
- Sinkende Erträge
- Geringe Verhandlungsmacht gegenüber Lieferanten
- Fehlende Investitionen in Modernisierung und Digitalisierung
Über Jahre hatte sich die wirtschaftliche Situation zunehmend verschlechtert. Allein die Finanzierung der übernommenen Apotheken belastete das Unternehmen mit rund 2 Mio. € Darlehensverbindlichkeiten. Die monatlichen Tilgungs- und Zinszahlungen von rund 11.000 € überstiegen zunehmend die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Betriebe.
Mit jeder unterlassenen Investition verloren die Standorte weiter an Attraktivität. Die Umsätze stagnierten, die Deckungsbeiträge gingen zurück und schließlich konnten die laufenden Kreditverpflichtungen nicht mehr bedient werden.
Herausforderung
Die eigentliche Herausforderung bestand nicht in der späteren Sanierung, sondern darin, die Apotheken überhaupt sicher in ein Eigenverwaltungsverfahren zu überführen.
Apotheken sind in dieser Hinsicht besonders sensibel. Arzneimittel werden regelmäßig unter Eigentumsvorbehalt geliefert. Wird ein Insolvenzverfahren bekannt, besteht die Gefahr, dass Lieferanten ihre Rechte geltend machen und Warenbestände herausverlangen. Gleichzeitig können Probleme bei der Rezeptabrechnung die Liquidität zusätzlich gefährden.
Deshalb wurde das Verfahren sorgfältig vorbereitet. Bereits vor Antragstellung wurden die Lieferketten neu organisiert, die Rezeptabrechnung neu strukturiert und die Versorgung der Standorte abgesichert. Gleichzeitig gelang es, trotz der durch das Verfahren ausgelösten Unsicherheit qualifiziertes pharmazeutisches Personal zu halten und teilweise sogar neu zu gewinnen.
Dadurch konnte der Geschäftsbetrieb sämtlicher Standorte ohne Unterbrechung fortgeführt werden.
Lösung
Nach Eröffnung der Eigenverwaltung wurden alle drei Apotheken zunächst weiter betrieben und einer umfassenden wirtschaftlichen Analyse unterzogen.
Dabei zeigte sich, dass zwei Standorte dauerhaft nicht die erforderliche Rentabilität erreichen konnten. Gleichzeitig wollte sich der Apotheker künftig auf einen einzelnen Standort konzentrieren.
Auf dieser Grundlage wurde eine Sanierungslösung entwickelt, die wirtschaftliche Vernunft und persönliche Ziele des Unternehmers miteinander verband. Zwei Apotheken wurden im Rahmen eines strukturierten Investorenprozesses erfolgreich veräußert.
Der Apotheker konzentrierte sich künftig auf den kleinsten Standort, der mit einer schlanken Personalstruktur betrieben werden kann und stabile, planbare Erträge erwirtschaftet.
Ergebnis
Das Eigenverwaltungsverfahren führte zu einer tragfähigen Lösung für alle Beteiligten:
- Zwei Apotheken erfolgreich übertragen
- Ein Standort dauerhaft erhalten
- Patientenversorgung ohne Unterbrechung sichergestellt
- Arbeitsplätze weitgehend erhalten
- Verbindlichkeiten von rund 2,2 Mio. € restrukturiert
- Gläubiger durch Insolvenzplan mit 3,5 % befriedigt
Aus drei wirtschaftlich belasteten Standorten entstand ein tragfähiges und dauerhaft überlebensfähiges Unternehmen.
Die Sanierung zeigt exemplarisch, dass Restrukturierung nicht immer Wachstum bedeutet. Manchmal besteht die beste Lösung darin, sich von Teilen des Unternehmens zu trennen, um den gesunden Kern dauerhaft zu erhalten.
Was diesen Fall besonders gemacht hat
Die Versorgung darf nie unterbrochen werden.
Die Sanierung beginnt vor dem Insolvenzantrag.
Viele Restrukturierungen drehen sich um Banken, Vermieter oder Personalkosten. Bei Apotheken liegt die Herausforderung an anderer Stelle: Die Versorgung mit Arzneimitteln darf zu keinem Zeitpunkt unterbrochen werden. Bereits wenige Tage ohne gesicherte Lieferkette führen dazu, dass der Geschäftsbetrieb zusammenbricht.
Deshalb beginnt die eigentliche Sanierung lange vor dem Insolvenzantrag. Der frühzeitige Wechsel der Arzneilieferanten und der Rezeptabrechnung sowie die Sicherung der Warenversorgung sind wichtiger als die spätere Entschuldung.
Der Fall zeigt exemplarisch, dass erfolgreiche Sanierungen selten an juristischen Fragen scheitern. Entscheidend sind Vorbereitung, Geschwindigkeit und ein tiefes Verständnis für die Besonderheiten der jeweiligen Branche.
Faktenbox
- Verfahren
- Eigenverwaltung mit Insolvenzplan
- Branche
- Apotheken / Gesundheitswesen
- Standorte
- 3 Apotheken
- Jahresumsatz
- ca. 8 Mio. €
- Verbindlichkeiten
- ca. 2,2 Mio. €
- Besonderheit
- Lieferketten vor Antragstellung vollständig abgesichert
- Investorenlösung
- 2 Standorte verkauft
- Fortführung
- 1 Standort dauerhaft erhalten
- Gläubigerquote
- 3,5 %
- Ergebnis
- Patientenversorgung und Geschäftsbetrieb während des gesamten Verfahrens gesichert
Nicht jede Krise erfordert eine Insolvenz.
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